Lyonel-Feininger-Ausstellung in der Stiftung Moritzburg

Manchmal wird man von den Eltern stärker und subtiler in seinem Geschmack geprägt, als man es glaubt. Bei mir geschah dies durch ein Plakat, mit dem mein Vater mein Kinderzimmer ausstattete, als ich vielleicht sechs, sieben Jahre alt war. Der Nachdruck eines Ölgemäldes zeigte mit wenigen klaren Linien und warmen Farben ein Segelschiff; der Name des Künstlers war Lyonel Feininger.

Nun muss man wissen, dass mein Vater am Bauhaus in Dessau gelernt hat und versteht so sein Interesse für die Künstler der Blaue Vier. Zudem trieb es ihn beruflich ausgerechnet nach Halle, also derjenigen Stadt, die in ihrer Blütezeit Lyonel Feininger beauftragte, eine Bilderserie zu erstellen und ihm dafür ein Atelier in der Moritzburg zur Verfügung stellte.

Das Land Sachsen-Anhalt hat nun einen verfallenen Flügel der Moritzburg zum Kunstmuseum ausgebaut und lockt aktuell mit einer Sonderausstellung über Feiningers Spätwerk nach der Vertreibung aus Deutschland. Das ließen sich mein Vater und ich natürlich nicht entgehen und haben uns zudem zum ersten Mal die Dauerausstellung (u.a. mit Feiningers Marktkirche) angesehen.

Das Museum selber beeindruckt vor allem durch seine Einbindung der mittelalterlichen Burgmauern in eine moderne Betonfassade. Darin präsentieren sich neben einigen Werken der Moderne von Feininger, Gustav Klimt, Edvard Munch und Franz Marc auch eine sehr breite Sammlung der Brücke-Künstler. Abgerundet wird der neue Teil des Museums durch eine von der Decke hängende Box mit Werken von 1945 bis in die Gegenwart, wobei eine Installation durch ihre ständig wiederholt von Videoband abgespielte Geräuschkulisse den Genuss der restlichen Ausstellungsstücke beeinträchtigte.

Im Nordflügel der Moritzburg mit seinem Aluminiumdach erwartete uns schließlich auf zwei Etagen die Feininger-Sonderausstellung. Den Hauptteil machen dabei Ölgemälde aus, wobei sich Feininger zwar auch seiner neuen, alten Heimat New York mit der Manhattan-Serie widmete, aber weiterhin seinen wiederholten Themen Segelschiffe und Strandlandschaften widmete. Auch seine thüringischen Dörfer und Kirchen finden sich in dieser letzten Schaffensphase, obwohl ihm die direkten Vorlagen ja fehlten. Doch Feininger lebte von seinen Aufzeichnungen und Skizzen, von denen einige ausgestellt sind und einen Einblick in den Arbeitsprozess des Künstlers erlauben.

Von einigen Motiven muss Feininger so besessen gewesen sein, dass er sie wieder und wieder malte. Immer in derselben Ansicht, aber in abgewandelten Stilen. So experimentierte er mit Holzschnitten und anderen Techniken und versuchte so, neue Perspektiven aus den Vorlagen zu gewinnen. Auch zu seinen Wurzeln, den Comicstrips und Karikaturen, findet Feininger in dieser Phase zurück; die Ausstellung zeigt also eine unglaubliche Breite im Schaffen des Künstlers und Bauhausprofessoren.

Wer also Interesse an den Werken Lyonel Feiningers hat, der sollte auf jeden Fall nach Halle kommen und sich die beeindruckende Zusammenstellung aus seinem Spätwerk ansehen, die tiefe Einblicke in dessen Arbeitsweise ermöglicht.

Einen Kommentar schreiben

(optional)