Perception is a strange thing – Die Filme von Terry Gilliam

von Harald Mühlbeyer,
erschienen bei Schüren, ISBN 978-3-89472-558-7, 24,90€

Terry Gilliam ist einer meiner absoluten Lieblingsregisseure. Da liegt es nahe, mich über die persönliche Rezeption hinaus mit dem Amerikaner und seinen Filmen zu beschäftigen und so musste ich nicht lange gebeten werden, das im von mir sehr geschätzten Medienverlag Schüren erschienene Buch zu lesen.

Perception is a strange thing ist die erweiterte Fassung der Magisterarbeit des Autoren im Fach Filmwissenschaften. Dieser hat sich die gesamte Filmografie von Terry Gilliam bis hin zum Kabinett des Doktor Parnassus vorgenommen und jedes Werk ausführlich analysiert. Stark herausgearbeitet wird dabei, wie Gilliam seinen Zuschauern das einfache Verständnis verwehrt und die Wahrnehmung bewusst verfälscht, um Gedanken über eben diese anzuregen. Oft werden dabei traumähnliche Bilder verwendet, doch selten ist es eindeutig, was an seinen Filmen nun reale Handlungsabläufe und welche Szenen bewusste Täuschungen oder Traumsequenzen sind.

Harald Mühlbeyer macht sich dabei die Mühe, neben der eingehenden Detailanalyse der Filme (z.T. bis auf Dialogebene) auch Hintergründe in der Biografie von Gilliam und deren Einflüsse auf sein Schaffen zu beleuchten sowie die vielfältigen Referenzen, die der Regisseur in seinen Filmen streut, zu dechiffrieren. Dabei greift er auf einen Kanon von Büchern von und über Terry Gilliam zurück, die zum Untermauern seiner Thesen herangezogen werden, und die Selbstironie in den Interviews des Regisseurs macht die Zitate sehr vergnüglich zu lesen. Harald Mühlbeyer kann sogar auf ein eigenes Interview mit seinem Untersuchungsobjekt zurückgreifen (der sehr treffende Buchtitel stammt daraus), bei dem deutlich wird, dass er selber ein Fan und absoluter Kenner des Regisseurs ist.

Dies liest sich dann unterhaltsamer, als ich es von einer Magisterarbeit erwartet hätte, da der den Filmen von Gilliam innewohnende Humor sich auch auf die Analyse überträgt. Manchmal verfranzt sich Mühlbeyer etwas in Auflistungen von Szenen, die zwar die Thesen an sich untermauern, aber den durch das Buch gehenden roten Faden der nicht zu trauenden Wahrnehmung in den Hintergrund treten lassen. Doch dies sind Ausnahmen; insgesamt war ich positiv überrascht, welche für die Interpretation wichtigen Details noch aus den Filmen herauszuarbeiten sind. Dabei hatte ich mir eingebildet, dass ich gerade Twelve Monkeys nichts Neues mehr abgewinnen könnte. Doch weit gefehlt, der Autor hat mit dem Buch wohl ein Standardwerk für das Verständnis von Terry Gilliams Filmschaffen geschrieben, das ich allen Fans des Regisseurs und den an seinen Werken interessierten Kinogängern nur ans Herz legen kann.

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