Lincoln

Ich bin hin- und hergerissen von Steven Spielbergs letztem Spielfilm. Auf der einen Seite ist er teilweise schwerfällig, pathetisch (gleich in der ersten Szene) und ganz schön lang geraten. Auf der anderen Seite hat er trotz des ernsten Themas viele leichte, unterhaltsame, ja fast komische Momente (der versuchte Schuss auf den Stimmenfänger, der Sprint vom Capitol zum Weißen Haus) und zeigt die historische Figur Lincoln auch als Mensch, wobei vor allem sein Hang zu Anekdoten immer wieder positiv wie negativ dargestellt wird. Am stärksten hat mich der Film aber in den spannenden Debatten im Repräsentantenhaus gefesselt, deren in großen Wellen schwappende Emotionen, ganz in der angelsächsischen Tradition, mit Beleidigungen im Stil des 19. Jahrhunderts zu unterhalten wissen.

Mein innerer Zwiespalt über Lincoln geht weiter bei der Leistung der Schauspieler. Daniel Day-Lewis hat den Oscar verdient, aber so wie das Drehbuch ab und zu in den Pathos abgleitet haben sich auch einige Szenen des Overactings eingeschlichen. Dass die deutsche Synchronstimme nicht so richtig zu ihm passt ist da nur ein weiterer Punkt – aber zumindest ist sie verständlich und nicht so vernuschelt wie das Original. Ganz unten im Niveau ist dagegen John Williams mit seinem Score angelangt, der oft sehr unpassend die Atmosphäre der Bilder stört und dem nichts kreativeres einfällt als Lincoln ein heroisches Bläser-Thema auf den Leib zu schreiben.

Es ist sicherlich nicht Spielbergs bester Film geworden, aber mir hat der Ansatz gefallen, Lincolns Persönlichkeit abzubilden indem nur ein paar Tage vor der Abstimmung über die Abschaffung der Sklaverei erzählt werden. Ob meine Kritikpunkte die guten Seiten aufwiegen, muss jeder für sich entscheiden – Lincoln hat mich auf jeden Fall bewegt und über Tage beschäftigt, da gibt es schlechteres was ich über einen Film schreiben könnte!

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