Pakt der Wölfe

Frankreich (2000)
Regie: Christophe Gans
Darsteller: Samuel Le Bihan (Grégoire de Fronsac), Mark Dacascos (Mani), Emilie Dequenne (Marianne de Morangias), Vincent Cassel (Jean-Francois de Morangias), Monica Bellucci (Sylvia), Jérémie Rénier (Thomas D’Apcher), Jean Yanne (Le Comte de Morangias), Jean-Francois Stévenin (Henri Sardi), Johan Leysen (Beauterne), Bernard Farcy (Laffont) und andere Wolfsjäger

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Im Jahre 1766 reist der junge Naturwissenschaftler Grégoire de Fronsac im Auftrag des französischen Königs in die Provinz Gévaudan, um von der dort wütenden Bestie ein Modell anzufertigen. Fronsac wird begleitet von seinem indianischen Blutsbruder Mani, der der letzte Überlebende eines blutigen Massakers an seinem Stamm ist, das französische Soldaten in den Kolonien Nordamerikas anrichteten. Als Gäste des jungen Adligen Thomas d’Apcher beginnen sie ihre Studien und stoßen dabei auf Widersprüche und Geheimnisse.

Fronsac ist schnell überzeugt, dass die Bestie von Gévaudan auf keinen Fall ein Wolf sein kann, da die Bissspuren in den Opfern auf einen viel größeren Kiefer schließen lassen. Doch seine Worte finden nicht den gewünschten Anklang und so finden weiterhin große, aber erfolglose Treibjagden auf die Wölfe der Wälder statt. Die Bestie von Gévaudan jedoch treibt weiterhin ihr blutiges Spiel und tötet in großer Zahl wehrlose Frauen und Kinder. Das einfache Bauernvolk hält es für einen wütenden Dämon, und glaubt, dass nur die Kirche wahren Schutz vor diesem Diener Satans bietet. Grégoire de Fronsac und Mani jedoch beginnen sich ihre eigenen Gedanken über die Herkunft des Tieres zu machen und bereiten eine Falle für die Bestie vor. Doch das wahre Ausmaß der Geschichte haben sie noch lange nicht erkannt …

Ein ganzes Jahr hat es gedauert bis dieser Film es endlich in die deutschen Kinos geschafft hat, nachdem er Januar 2001 bereits als Eröffnungsfilm auf dem Fantasy-Film-Fest lief – und ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, wieso. Ich habe lange keinen so bildgewaltigen und allein durch Atmosphäre fesselnden Film mehr gesehen und bin deshalb stolz darauf, dass dieses Werk eine europäischer Produktion ist.

Zunächst werde ich mich an einer Einordnung des Filmes bemühen: Er ist auf jeden Fall ein Historienfilm. Die auf einer wahren Begebenheit beruhende Story um die Bestie von Gévaudan ist eine Geschichte um Macht und Glauben, um Aufklärung und Moral. Spielend im vorrevolutionären Frankreich spiegelt sie den Kampf um die Macht in der Provinz wieder, bzw. sogar um die Macht in Frankreich mit so großen Mitstreitern wie dem Papst und dem König. Dementsprechend ist der Film auch fantastisch ausgestattet. Die Kostüme wirken alle sehr authentisch und die Kulissen lassen tatsächlich die Provinz im 18.Jhdt neu aufleben.

Auf der anderen Seite hat Regisseur Gans aber auch einen Action-Film mit vielen asiatischen Einflüssen gedreht. Ein Indianer, der in einem Ledermantel bei strömenden Regen ein Dutzend heruntergekommener Soldaten auf Martial-Arts-Manier verdrischt, ist schon reichlich seltsam, passt jedoch auch irgendwie in die Story. Die unglaubliche Schnelligkeit der Action-Szenen wird dabei durch die ständigen Schnitte und rasenden Kamerafahrten erreicht – das Auge hat nie wirklich Zeit, sich an eine Einstellung zu gewöhnen. Der Großteil der Action spielt sich so im eigenen Kopf ab und erzeugt auf diese Art die unglaubliche Spannung und Atmosphäre, die an einen Gruselfilm erinnert.

Und doch kommt der Film immer wieder zur Ruhe, um über die beeindruckende Landschaft zu schwelgen und in Dialogen die Geschichte voranzutreiben – was auch der einzige Schwachpunkt des Films ist. Die Charaktere sind nicht gerade gut herausgearbeitet und vielleicht einfach zu viele; so braucht der Film ewig um sie vorzustellen und dann verwechselt man die französischen Namen noch immer. Und auch die Bestie selber ist nicht sehr gut animiert und passt als Einziges nicht in das sonst harmonierende Bild.

Wirklich hervorragend aber ist die Hintergrundgeschichte um den Pakt, die den fiktionalen Teil der Story darstellt. Der „Pakt der Wölfe“ stellt eine Art vom Papst gefördert Sekte dar, die um eine Verlagerung der Macht in Frankreich zu erreichen auf einem Schreckensbild der Europäer baut, dem Wolf (man nehme nur die vielen Volksmärchen) – der ja dann, Ironie des Schicksals, gar keiner ist. Doch am Ende wenden sich genau diese beiden Säulen gegen sie, der Papst in Form der im Hintergrund die Fäden ziehenden Sylvia und auch die vorher so gehetzten Wölfe (die ja den mystischen, heidnischen Teil verkörpern und in Form von Mani auch die Naturverbundenheit). Auf der anderen Seite dann die Politik des Königs, der sich durchaus der Gefahr durch die Sekte bewusst ist und durch das Verbieten des Buches und das Erbringen einer präparierten Ersatzleiche das Problem totschweigen will und dem sich auch Grégoire beugen muss. Die Geschichte findet also auf sehr vielen verschiedenen Ebenen statt, so dass eigentlich jeder Zuchauer etwas von dem Film haben sollte.

Fazit: Wer nur ein Kostümdrama erwartet, der wird wahrscheinlich von der harten Action abgeschreckt; wer sich jedoch auf die fantastische Atmosphäre einlässt der erlebt 141 Minuten Spannung pur und wird begeistert das Kino verlassen!

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