Minority Report

USA (2002)
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Tom Cruise (John Anderton), Max von Sydow (Lamar Burgess), Samantha Morton (Agatha), Colin Farrell (Ed Witwer), Jessica Capshaw (Evanna), Steve Harris (Jad), Neal McDonough (Fletcher), Patrick Kilpatrick (Knott), Kirk B.R. Woller (Ross), Anna Maria Horsford (Casey), Eugene Osment (Jad’s Techniker), Erica Ford (Jill), Michael Dickman (Arthur), Matthew Dickman (Dashiell), Lois Smith (Dr. Iris Hineman), Tim Blake Nelson (Gideon) und andere PreKriminelle

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Im Jahr 2054 hat sich in Washington D.C. eine neue Art der Verbrechensbekämpfung bewährt: Morde werden einfach verhindert, bevor sie geschehen. Die Informationen darüber erhält die PreCrime-Spezialeinheit von 3 Mutanten, den PreComps, die unter Drogen gestellt von zukünftigen Straftaten träumen. Als das erfolgreiche System auf das ganze Land ausgeweitet werden soll, muss sich die Truppe um Chief John Anderton einer Untersuchung durch Detective Witwer unterziehen, der eventuelle Schwachstellen ausmachen soll. Anderton versucht das Experiment unter allen Umständen zu schützen, doch als die PreComps einen von ihm zu verübenden Mord vorhersehen muss sich Anderton nicht nur mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, sondern sich auch die Frage stellen, ob die Zukunft wirklich vorherbestimmt und nicht veränderbar ist…

Herr Steven Spielberg hat anscheinend wieder Gefallen am Science-Fiction-Kino gefunden, denn fast genau ein Jahr nach A.I. schiebt er wieder einen Film aus diesem Genre nach. Ging es damals in der Fortsetzung eines Stanley-Kubrick-Projektes um die Thematik der künstlichen Intelligenz, so beschäftig sich der Meister des Mainstream-Kinos diesmal in Anlehnung an eine Kurzgeschichte von Phillip K. Dick mit der Frage um die Vorhersage und Beeinflussbarkeit unserer Zukunft.

Wieder einmal befindet sich die Hauptfigur auf einer Flucht und gleichzeitig auf der Suche nach der Wahrheit, die eng mit dem eigenen Schicksal verbunden ist. Anders als bei A.I. wird aber diesmal ein deutlich höheres Tempo an den Tag gelegt; Spielberg kann sich in den Actionszenen so richtig austoben und nutzt diese Gelegenheit auch ausgiebig, so dass Tom Cruise als Spezialist auf diesem Gebiet mit seinen doch sehr geringen schauspielerischen Fähigkeiten sogar eine gute Besetzung ist. Die Verfolgungsjagd bildet mit ihren tollen Bildern und Schnitten vor allem in der Autofabrik das Highlight des Filmes. Doch gerade diese actionlastige Ausrichtung schadet dem Film enorm, denn damit wird das Thema der unveränderlichen Zukunft vollkommen in den Schatten gerückt und eine wirkliche Auseinandersetzung vermieden. Stattdessen präsentiert Spielberg dem Zuschauer eine fertige Lösung – und diese gleich doppelt – die sich schon den ganzen Film über andeutet, nur um eine Kriminalgeschichte am Laufen zu halten, die ihrerseits an vielen Logikfehlern krankt.

Hier verschenkt der „Meister“ mit der Unterschätzung seines Publikums einiges, denn der Film ist wie jeder Spielberg klasse inszeniert und hat so auch seine starken Seiten. Da wären zum einen die an die düstere und seltsame Zukunft von A.I. erinnernden Szenen mit der „Schöpferin“ der PreComps und die Auswechslung der Anderton überall veratenden Augen, was Erinnerungen an die Zähne in „12 Monkeys“ weckt. Und auch die Darstellung eines Staates, in dem die Daten der Bürger öffentlich sind und sogar für Werbung missbraucht werden (Frau kommt in Geschäft, wird mit Namen empfangen und gefragt, ob sie mit der zuletzt gekauften Lederunterwäsche zufrieden ist), in dem die Opfer genetischer Mutationen unter Drogen gestellt und praktisch gefangen ihre Fähigkeiten in den Staatsdienst stellen müssen und in dem die Polizei über mehr Rechte als nötig verfügt, macht einem nicht gerade Mut für die eigene Zukunft. Doch gerade die Spielbergsche Interpretation, dass man das eigene Verhalten jederzeit selbst bestimmt und es deshalb eine sicher verhersagbare Zukunft nicht gibt, sollte zumindest Mut machen.

Fazit: Typisches Spielberg-Popkornkino mit viel Action und einer leicht verdaulichen Story, schmalzig und viel zu lang am Ende, und doch trotz der fehlenden Auseinandersetzung mit der Thematik immer wieder zum Nachdenken anregend dank der vielen eingestreuten, zivilisationskritischen Elemente. Schade, hier wurde Potential verschenkt!

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