KKK

KKK ist nicht nur die Abkürzung für den Ku-Klux-Klan (böse) und Kaum Komplexe Kunst (gut), sondern steht auch für KingOlis Kreatives Kerzengießen (irgendwo dazwischen). Kreativ ist daran eigentlich nur, dass ich einen größeren Betrag an Euromünzen mit in der Kerze untergebracht habe, damit das glückliche Brautpaar es nicht allzu schnell ausgeben kann. Ich habe dabei die Schritte der Fertigung in abgrundtief schlechter Handyqualität abgelichtet und will nun alle Leser dieses Blogs mit einen kleinen Workshop nerven erfreuen.

Zuallererst die Warnung an alle Kinder: Don’t do this at home! Flüssiges Wachs hat die unangenehme Eigenschaft, sich schnell nach überallhin zu verbreiten und dann gemeinerweise sofort zu erstarren. Mütter sind meist nicht sehr angetan, wenn sie kleine Spritzer Wachs aus allen Ecken der Küche des Bastelraumes entfernen müssen – von Klamotten ganz zu schweigen.

An Zutaten wird nicht viel benötigt: Kerzenwachs, Farbe und Docht gibt es in jedem gutsortierten Bastelladen; als Form bietet sich alles an, was mikrowellenfest ist (in meinem Fall eine Aufbewahrungsbox aus dickem Kunststoff). Das wichtigste Kriterium ist, dass die Form ein gleichmäßiger Zylinder ist, so dass man die Kerze später auch wieder daraus entfernen kann. Professionelle Kerzengießformen besitzen an einem Ende eine Öffnung für den Docht; ich habe das eine Ende einfach mit Klebeband am Boden befestigt und das andere um einen Schaschlikspieß gezogen (Wichtig: Auf die Brennrichtung des Dochtes achten, falls man die Kerze kopfüber gießt).

Das Wachsgranulat (genauer: Wachslinsen auf Parafinbasis) habe ich in einer im Wasserbad stehenden Dose erhitzt und dabei die Farbe zugegeben. Im Normalfall schmilzt man das komplette Wachs und gießt die Kerze in einem Stück. Da ich jedoch das Geld etwas innerhalb der Kerze verteilen wollte, habe ich insgesamt fünf Schichten nacheinander gegossen. Leider erreicht das Wachs beim Erstarren nie den Zeitpunkt, wo es gerade träge genug ist, das Gewicht der Münzen zu tragen. Stattdessen (vor allem bei großen Durchmessern) festigt sich zuerst nur die Außenhaut und innen ist noch alles flüssig, so dass die Geldstücke nach dem Durchbrechen der Haut bis ganz nach unten sinken und sich flach hinlegen – das hatte ich mir anders vorgestellt.

Wenn man aber die Münzen nur auf die zuletzt erstarrte Schicht legt und das nächste heiße Wachs aufgießt kann es trotzdem noch passieren, dass das Geld tiefer sackt, da die feste Schicht durch die Hitze des frischen Wachses auch wieder leicht anschmilzt. Also muss man etwas Geduld mitbringen; ich habe ungefähr eine Stunde pro Schicht das Wachs trocknen lassen – bei kleineren Durchmessern geht das natürlich schneller.

Das erneute Anschmelzen der vorletzten Schicht bedeutet aber mitnichten, dass sich die Schichten halbwegs harmonisch verbinden; die Grenzen bleiben immer sichtbar. Deshalb bietet es sich an, aus der Not eine Tugend zu machen und die Schichten unterschiedlich zu färben.

Die Alternative ist Wachsfolie, die man zurecht schneidet und dann wie einen Aufkleber einfach an der Kerze anbringt. So habe ich das Brautpaar mit auf der Kerze verewigt; diesen Anblick erspare ich aber der Allgemeinheit (mein Bruder hat den Vergleich mit Zombies herangezogen).

Wenn das Wachs erst einmal komplett getrocknet ist (Tipp: Nach ein, zwei Stunden im Gefrierfach löst sich die Kerze selbständig von der Form), bildet sich um den Docht herum eine Kuhle. Ich habe dann noch einmal Wachs nachgegossen und darin ein paar Geldstücke prominent platziert – jetzt landet die „teure“ Kerze hoffentlich nicht aus Versehen im Müll. Die anderen Geldstücke sind leider allesamt beim Sinken in der Kerze in Richtung Docht abgedriftet, so dass sie von außen nicht sichtbar sind. Da wäre weniger wohl mehr gewesen, sprich eine dünnere Kerze hätte mehr von ihren Innereien preisgegeben.

Alles in allem war die ganze Aktion unerwartet zeitraubend und hat auch nicht die gestellten Erwartungen erfüllt; aber für einen Informatiker mit zwei linken Händen ist das Ergebnis halbwegs ansprechend und als Geschenk zumindest sehr persönlich. Bei der nächsten Hochzeit werde ich dann endlich den Eisblock ausprobieren, für den es aber Ende August noch zu warm ist.