KingOli@Concert: Ash & Sportfreunde Stiller

Gut, dass ich nicht alleine zum Konzert gegangen bin. Sonst hätte ich gestern vor der Arena Treptow gestanden und dort erst mitbekommen, dass es in die Columbiahalle verlegt wurde – wahrscheinlich wegen zu geringer Nachfrage. Also habe ich mich zum ersten Mal nach Tempelhof begeben und war sehr überrascht, wie klein die Columbiahalle doch ist. Halle ist dabei der falsche Ausdruck – man kommt hinein, steht plötzlich vor dem Mischpult und 20m weiter ist schon die Bühne. Angeblich sollen 3600 Menschen hinein passen, was ich jedoch anzweifle. Dafür ging es angenehm schnell an der Garderobe und am Bierstand zu.

Kurz nach 20h fingen dann Ash an zu spielen. Los ging es mit „Burn Baby Burn“ und der aktuellen Single „You can’t have it all“, doch es brauchte fast 20 Minuten bis der Funken auf das Publikum übersprang – was vielleicht auch an dem etwas dumpfen Sound lag, den es auch in Köln gab. Doch nach „Kung Fu“, dem genialen „A life less ordinary“ und dem besten Track des diesjährigen Albums, „Blacklisted“, wurde zum ersten Mal fleißig gesprungen. Nach insgesamt 40 Minuten war der Spaß dann zu Ende, „Girl from Mars“ inklusive. Ash waren definitiv die beste Vorband, die ich je gesehen habe, und verdienen eigentlich eigene Konzerte.

Viertel nach Neun betraten dann die Sportfreunde die Bühne. Bis zum ersten Refrain vom „Titel vom nächsten Kapitel“ hatten wir uns bis in die dritte Reihe vorgekämpft und haben dort bis zum Ende abgefeiert. Das beinhaltete auch den Sprung von Peter in die Massen, der direkt neben mir landete, und dass meine Begleitung einen Drumstab von Flo ergattern konnte. Außerdem hat die Security immer wieder Wasser an die ersten Reihen verteilt – bis auf einige Ellenbogenchecks gegen mein Kinn und meine Nase (immerhin auf 1,80m Höhe) war es dort vorne also richtig geil.

Über zwei Stunden spielten die Sportis dann quer durch ihr Repertoire. Zwischendurch holte Peter die Akustikgitarre heraus und spielte darauf drei Lieder, u.a. das Bob-Marley-Cover „Redemption Song“ und für mich vollkommen unerwartet „54, 74, 90, 2010“ – ich dachte, den Song wollten sie so schnell nicht wieder live darbieten. Lustig war das zwischendurch angestimmte „Die Leude“ von den Fünf Sterne Deluxe.

In der Mitte des Konzerts gab es dann zur Beruhigung der Massen einen Dreierpack an eher ruhigen Liebesliedern, wobei ich gerade bei „Ein Kompliment“ noch nie so viele Leute habe poken sehen. Dabei fiel mir auf, dass der einzige neue Song in der Reihe, „Anders als auf Ansichtskarten“, es nicht mit den alten Liedern aufnehmen kann (Nummer drei war „Siehst Du das genauso?“). Das aktuelle Album hat also mehr Durchhänger, als man dies bisher von den Sportis gewohnt war. Doch zum Glück sind auch Songs wie „Was Dein Herz Dir sagt“ und „Sodom“ drauf, die nicht nur die Columbiahalle rockten, sondern auch textlich überzeugen.

Zwei Lieder gestern abend waren jedoch neu für mich. Zum Einen der „Antinazibund“, der die Homepage zum Absturz brachte und dessen Download bei MySpace leider zu keinem abspielbaren Ergebnis führt. Dieser sollte laut der Ansage von Peter angeblich noch mit auf das Album – warum er es nicht geschafft hat bei einer Albumlänge von unter 40 Minuten ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Der andere Song folgte ganz zum Schluss und rockte wirklich derbe, allerdings habe ich gar nichts vom Text verstanden (Gesang und Sprache kamen generell ganz schlecht in der Mitte vor der Bühne an) und die Melodie kam mir auch nicht bekannt vor.

Insgesamt ein richtig geiles Doppelkonzert für gerade einmal 27€, die sich gelohnt haben. Zu guter Letzt möchte ich noch anmerken, dass Sportfreunde-Stiller-Fans scheinbar ein körperlich sehr kleines Volk sind. Ob dies nun an dem hohen Frauenanteil liegt oder an anderen Faktoren weiß ich nicht, auf jeden Fall hätte ich auch in der Menge einen super Blick auf die Bands gehabt. Das sah letzten Dezember bei Placebo ganz anders aus.

Wer die Fans (oder auch die Band) in Berlin noch einmal sehen will, der kann dies beim Finale der Coca Cola Soundwave Tour am Brandenburger Tor tun. Dort sind sie der lange geheime Special Guest, der am Tag der deutschen Einheit um 19:30h spielt. Da ich das Programm am Dienstag aber viel interessanter finde und die Sportis gestern schon gesehen habe, werde ich mich Mittwoch wohl nicht in die große Menge quälen, die bei einem kostenlosen Konzert im Tiergarten zu erwarten ist.

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