Weltengänger

von Sergej Lukianenko,
erschienen bei Heyne, ISBN 978-3-453-52349-4, 15,00€

Nachdem mir das letzte Werk von Lukianenko, Spektrum, so gut gefallen hat, habe ich mir die neue Veröffentlichung Weltengänger sofort zugelegt. Doch obwohl es alle überzeugenden Elemente des erstgenannten Buches enthält – die popkulturellen Spielereien mit der Literatur, die scheinbar wohlbekannte, aber facettenreich variierte Geschichte und der angenehme russische Charme – kann es in keiner Weise mit diesem mithalten.

Dies fängt schon damit an, dass sich Heyne entschieden hat, das Buch mit übergroßer Schrift auf die Länge von 590 Seiten zu strecken – wohl um damit den um einen Euro erhöhten Preis zu rechtfertigen; 15 Euro für ein Taschenbuch sind schon recht happig. Leider braucht das Buch dann auch noch über 400 Seiten, um richtig in Fahrt zukommen.

Vorher nimmt sich Lukianenko ausgiebig Zeit, seinen aus der Ich-Perspektive erzählenden Helden vorzustellen und sein Eintreten in die Rolle des Zöllners zwischen den Welten zu beschreiben. Doch trotz der Ausführlichkeit bleibt der Charakter schwach gezeichnet, was vor allem daran liegt, dass man zwar viel über die Beziehungen zu Nachbarn, Eltern, Freunden und Hund lernt, aber kaum etwas über die Person selber. Aufgrund der zu Beginn deutlich fehlenden Handlung fällt dieses Manko besonders stark auf.

Dann gefällt sich Lukianenko darin, jeweils zu Beginn eines Kapitels ein paar philosophische Gedanken zu äußern. Diese sind jedoch meist banal und erinnern mehr an missglückte Schulaufsätze denn an Literatur. Nur selten kommt darin etwas Witz vor und es beschleicht mich der Verdacht, dass hier bewusst versucht wurde, die kaum vorhanden Handlung um ein paar zusätzliche Seiten aufzublähen.

Die Plot-Auflösung am Ende vereint dann auch noch ein zu oft gesehenes Lösungsmuster mit einer unglaubwürdigen Charakterwendung. So gehen die vielen interessanten Ansätze des Buches wie das Spiel mit den politischen Systemen unter in einer zu simpel gestrickten Handlung ohne echte Höhepunkte. Ist der Stern des Sergej Lukianenko etwa schon wieder am Untergehen? Ich hoffe nicht, kann das Buch aber auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Es wird also nichts mit dem neuen Lieblingsautoren…

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