Stadt aus Glas

von Paul Auster,
veröffentlicht von Süddeutsche Zeitung | Bibliothek, ISBN 3-937793-05-4, 4,- €

Daniel Quinn ist ein New Yorker Autor, der sich mit dem Schreiben von anspruchslosen Kriminalromanen über Wasser hält. Eines Tages erhält er einen Anruf für den Privatdetektiv Paul Auster, der einen Fall übernehmen soll. Der Anrufer lässt sich nicht überzeugen, den Falschen erreicht zu haben, also übernimmt Quinn die Rolle von Auster. Er soll einen gewissen Peter Stillmann beschützen, dessen Vater ihn als Kind in eine dunkle Kammer sperrte und nun aus der Haft entlassen wird. Quinn observiert den älteren Stillmann und rutscht damit immer mehr aus seinem Leben hinaus und in das des Privatdetektivs hinein…

„Stadt aus Glas“ ist ein sehr seltsames Buch. Anfangs sieht es aus wie ein Krimi, doch dann kommt die religiös geprägte Geschichte um die Sprachverwirrung der Babylonier und die Sprachtheorie von Peter Stillmann dazu und schlussendlich verschwindet die Hauptfigur des Buches plötzlich. Insgesamt scheint es sich um ein geschicktes Spiel mit Namen und Initialen zu handeln, und die angesprochenen Themen sind nicht der Inhalt selber, sondern Interpretationshilfen für das Verständnis desselben.

Fangen wir mit den Namen an. Paul Auster, der Autor im Buch, ist aus meiner Sicht das Alter Ego des Autoren selber und damit zentraler Fixpunkt. Daniel Quinn dagegen hat dieselben Initialen wie Don Quichote, der einer Theorie des Buches nach selber dafür sorgte, dass seine Geschichte niedergeschrieben wurde. Nach Lesart des Buches kann man erfundene Figuren mit denen gleicher Initialen gleichsetzen, also sorgte auch Daniel Quinn (mit seinem roten Tagebuch) dafür, dass seine Erlebnisse veröffentlicht wurden – von einem Ich-Erzähler, der niemals benannt wird, aber angeblich mit dem Auster im Buch befreundet war.

Da Menschen aber nicht einfach verschwinden, gehe ich davon aus, dass der Auster im Buch Daniel Quinn nur erfunden und sogar dass rote Tagebuch selber geschrieben und seinem Freund untergeschoben hat – dieser hat sein Wissen nur aus indirekter Quelle, also über Auster oder aus dem Tagebuch. Dazu passt auch die Häufung der Namen Peter. Daniel Quinns verstorbener Sohn hieß Peter, bei den Stillmanns heißen Sohn und Vater Peter und sogar Austers Romansohn trägt diesen Namen – während der reale Sohn des Autoren ironischerweise Daniel heißt.

Somit hat der Auster des Buches eine komplexe Geschichte erfunden (vielleicht sogar teilweise erlebt) und über die Manipulation eines Freundes dafür gesorgt, dass diese als Buch veröffentlicht wird. Dies ist wohlgemerkt der (von mir interpretierte) Inhalt der realen Romans „Stadt aus Glas“ des realen Paul Austers. Alle Leser dieses Buches müssen also einen gewissen Hang zum Puzzlen mitbringen, um mit dem Ende bzw der Geschichte selber klar zu kommen. Doch wer sich darauf einlässt, der findet eine anregende und trotzdem leichte Lektüre vor.

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