Die Haarteppichknüpfer

von Andreas Eschbach,
erschienen bei Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-24337-2, 7,95€

Lange schon stand dieser „Klassiker“ des deutschen Science-Fiction auf meinem Wunschzettel, seit ich die Leseprobe verschlungen habe. Jetzt endlich habe ich ihn gelesen und kann die Lorbeeren verstehen. Denn lange habe ich keine so spannende und aufwühlende Utopie mehr gelesen, und im Gegensatz zu den meisten nachfolgenden Werken des Autoren, der sich in der Zwischenzeit zum deutschen Michael Crichton gemausert hat, ist auch die Charakterzeichnung kein Problem.

Dies verdankt das Buch seinem Aufbau aus 17 Kurzgeschichten und dem Fehlen eines durchgängig handelnden Helden. Zwar gibt es immer wieder einzelne Charaktere, die im jeweils folgenden Kapitel, meist am Rande, erneut auftauchen und damit die Verbinung zwischen denselben bilden. Doch diese Verbindung können auch einfach nur Orte sein und größere Zeitsprünge sind eher die Regel als die Ausnahme. Eine Gemeinsamkeit aller Kapitel sind jedoch die kleinen Tragödien, die sich meist auf der im Gegensatz zu der riesigen Größe des beschriebenen Universums geradezu mikroskopischen Ebene einzelner menschlicher Beziehungen abspielen. Am Ende akkumulieren sich diese Handlungsfäden wie die Haarfäden der titelgebenden Teppiche zu etwas Größerem; denn alle diese tragischen Elemente sind Folgen eines makroskopischen Schicksals auf universaler Ebene, dass auf so viele Menschen Einfluss hat, dass es den Leser geradezu erschlägt gegen Ende des Buches.

Neben dem interessanten und auf mehreren Ebenen ausgeführten formalen Ansatz weiß auch die beschriebene Welt zu überzeugen. Die sehr gern verwendete Mischung aus mittelalterlichen und modernen Technologien sowie verschiedenen Staatsformen und Religionen findet hier ihre Begründung, wenn auch die Vorgeschichte des Kaiserreiches und die Verbreitung der Menschheit über den Kosmos im Dunkeln bleibt. Doch die richtige Mischung aus aufeinander aufbauenden Details und der bewusst vage gehaltenen Beschreibung des Haarteppich-Universums erhält die gesamten 319 Seiten über eine Spannung aufrecht, die sogar noch von der Auflösung des großen Rahmens aller Handlungsfäden getoppt wird.

Fazit: Wer sich nur ein wenig für Science-Fiction begeistern kann oder Bücher in der Tradition des Wüstenplaneten mag, der sollte den Erstlingsroman von Andreas Eschbach unbedingt lesen. Eine tragische Geschichte verpackt in einem innovativen formalen Konzept, spannend vom Anfang bis zum Ende – so muss ein gutes Science-Fiction-Buch aussehen!

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