Als Wetter noch kein Klima war

So ein bisschen Kultur ab und zu muss mal sein. Und so war ich gestern zum ersten Mal in meinem Leben in einer Revue. Um genau zu sein in der Klimarevue von Rainald Grebe im Centraltheater in Leipzig. Und bei diesem Namen sollte klar sein, dass es sich um keine klassische Revue handeln konnte.

Der Autor und Interpret so toller Lieder wie Brandenburg, Thüringen oder Dörte hat das Thema Klima zum Anlass genommen, eine Mischung von nur lose miteinander verbundenen Songs und Monologen zu schreiben, in denen die Problematik in seiner typischen Art knapp an der Grenze von Vorurteilen zur bitteren Realität, immer gemischt mit einer Prise Popkultur, behandelt wird. Es gibt wieder einen Bundeslandsong, diesmal über die Heimat des Centraltheaters, Sachsen. Es gibt Lieder über umweltschützende Menschen, über den Umgang mit dem Klimawandel, über das Verhalten der Menschheit in Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart. Aber niemals gibt es eindeutige Aussagen in der Qualität von richtig oder falsch oder Ursache und Wirkung. Der Zuschauer ist nicht nur Rezipient, er muss auch selber an der Interpretation mitarbeiten.

So weit das, was man auch bei Livekonzerten von Rainald Grebe erwarten kann. Anders als bei diesen gibt es in der Klimarevue ein angedeutetes Bühnenbild. Dieses reicht zwar nicht an klassische Bühnenausstattungen heran, doch der Regisseur hat den Fundus des Theaters einmal komplett durchwühlt und sich geschnappt, was ihm gerade unter die Finger kam und passend erschien. Dazu gehören Fahrräder, die bei einem Intermezzo den einzigen aktiven Scheinwerfer antreiben; ein Mammut, das von der Decke hängt; mitten im Song nach unten fallende Scheinwerfer oder eine Raucherkabine, in der ein Pinguin über die Umweltfreundlichkeit von kinderlosen Paaren referierte und dabei wie ein Schlot qualmte (Trennungen sind übrigens sehr klimaschädlich). Das Highlight war jedoch eine riesige aufgeblasenen Erdkugel (4m im Durchmesser), die die Bühne herunterrollte und ins Publikum geworfen wurde während die drei Sängerinnen ein Lied über Al Gore sangen.

Diese sind ebenso wie ein kleinwüchsiger, älterer Herr (der sich ständig selbst optimiert und über die CO2-Neutralität der Revue berichtete) Schauspieler vom Theater, während Gitarrist und Schlagzeuger die bekannten Gesichter aus der Kapelle der Versöhnung stellen. Rainald Grebe selber saß wie gewohnt an seinem Keyboard und sang und moderierte die gesamten zwei Stunden über, während seine Bühnenkollegen öfters einmal die Outfits oder Instrumente wechselten – die Sängerinnen zum Beispiel setzten ständige Amy-Winehouse-Frisuren und Schwangeren-Bäuche auf und ab.

Wer jetzt Lust auf dieses empfehlenswerte Stück bekommen hat, hat dieses Jahr noch ein paar Chancen, es in Leipzig zu sehen; zuletzt wird es am 31.12. aufgeführt. Mir hat es sehr gut gefallen, selbst wenn sich ein paar der absurden inszenatorischen Bühneneffekte in ihrer Relevanz nicht erschlossen haben. Aber die Klimarevue ist witzig, unterhaltsam, regt zum Denken an – was will man mehr?

Einen Kommentar schreiben

(optional)