Ausgebrannt

von Andreas Eschbach,
erschienen bei Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-15923-9, 9,95€

Sie sind hier nicht in einem Roman von Michael Crichton“ lässt Andreas Eschbach einen Nebencharakter in diesem Buch sagen, und doch ist Eschbach das deutsche Pendant zum kürzlich verstorbenen amerikanischen Autoren. Auch er nimmt sich wissenschaftlicher Themen an, um daraus eine spektakuläre Geschichte zu entwickeln; quasi das andere Ende der Science-Fiction von der Hard-Sci-Fi aus gesehen – die behandelte Thematik ist nur Auslöser und Hintergrund.

Bei Ausgebrannt geht es um das Erreichen des Peak Oil, des Maximalpunktes der Hubbertschen Ölförderkurve. Die Fakten aus dem Dokumentarfilm Ein böses Erwachen über die Ölförderung gerade in den arabischen Ländern kombiniert Eschbach geschickt mit Informationen über das weltweite Finanzsystem, die Rolle der USA und ihrer Geheimdienste darin und nimmt zudem die Subprimekrise vorweg. Dazu kommen viele interessante fiktionale Spielereien wie die Methode Block, eine alternative Erklärung für die Herkunft des Öls, oder die Ostraktion, eine anteilige Lösung für die Transportprobleme der Menschheit nach dem Ende des Ölzeitalters.

Immer dann, wenn Eschbach mit dieser Mischung aus Fakten und Fiktion hantiert, ist das Buch wirklich spannend. Seine fast apokalyptische Vision eines Amerika ohne Öl ist ebenso reizvoll wie die Veränderungen, die er für Deutschland ausmalt. Dabei wird das Thema erstaunlich vielseitig betrachtet, viele Ansichten und Ideen werden präsentiert und abgewogen.

Die Reaktionen der Charaktere auf die neue Situation sind dabei meist gut nachvollziehbar. Etwas übertrieben hat Andreas Eschbach allerdings in seinem Entwurf einer autarken Insel; einem sich selbst ernährenden Dorf von Zivilisationsflüchtigen, die sich schon vor Beginn der Krise auf deren Bewältigung eingerichtet haben, deren künstlich geschaffene Isolierung aber auch gesellschaftliche Probleme mit sich bringt. Dies ist in der Weltliteratur ein ausgetretener Pfad, und Eschbachs Version kann neben den großen Vorbildern nicht bestehen.

Generell enttäuscht das Buch, wenn abseits der wissenschaftlichen Fiktion die Charaktere die Geschichte tragen müssen. Hauptakteur Markus Westermann ist als IT-Vertriebs-Profi nicht gerade der Prototyp eines sympathischen Helden und seine Geliebte Amy-Lee sehr eindimensional gezeichnet; die gesamten Verknüpfungen der handelnden Personen wirken zu konstruiert. Allein der kantige Österreicher Block, ausgestattet mit einer detaillierten Lebensgeschichte, weiß zu überzeugen.

Erschwerend kommt das schleppende Ende des Buches hinzu. Es gibt kein klassisches Happy-End, was konsequent die Berg-und-Tal-Fahrt des Helden fortführt. Doch die immer ungenauer beschriebenen Sprünge in die ferne Zukunft lassen in mir das Gefühl aufkommen, dass die Vision von Eschbach an seine Grenzen gestoßen ist. Vielleicht habe ich mir nur ein Ende gewünscht, dass sich zu einer eindeutigen Aussage hinreißt: Entweder die Menschheit überwindet die Krise oder sie geht daran zu Grunde. Aber dieses Durchmogeln und die Hoffnung, die schon einmal erreichte Stufe wieder zu erklimmen, das ist mir zu wenig.

Einen Kommentar schreiben

(optional)