Wer nicht hören will…

oder Meine ganz persönliche DSL-Odyssee in fünf Akten

I. Hoffnung

Bis Ende letzten Jahres besaß ich einen 2000er DSL-Anschluss, der auf dem dafür erforderlichen Telefonanschluss der Telekom basierte. Das muss ja nicht sein, dachte ich mir; schließlich gibt es inzwischen genügend Angebote aus einer Hand (Bitstrom-Anschluss genannt), auch wenn diese meist die Telefonate über Voice-over-IP mit allen damit verbundenen Nachteilen abwickeln. Also kündigte ich meinen DSL-Anschluss vorsorglich und fing an, den Markt zu sondieren.

In der Ausgabe 22/2008 der c’t gab es dazu eine Übersicht der Anbieter und den gutgemeinten Hinweis: Wechsel von einem Fremdanbieter zu einem anderen bei einem Telekom-basierten DSL-Anschluss wie in meiner Wohnung sind der Worst Case, da sich dabei drei Parteien aufeinander abstimmen müssen, und können deshalb lange Wartezeiten auslösen. Man sollte sich dabei auch nicht auf die Auskünfte der Firmen bezüglich der Schaltbarkeit verlassen, da sie zwar ihre eigene Infrastruktur beurteilen können, aber nicht die der Telekom.

II. Aktion

Na gut, der Worst Case muss ja nicht zwangsläufig bei mir eintreten. Und Berlin ist auch kein Dorf. Also klapperte ich zuerst die Webseiten ab, was die Auswahl bereits auf drei Anbieter verkleinerte, die in meiner Straße preiswertere Angebote als mein momentanes Paket anbieten – davon mit Web.de und 1&1 praktisch zweimal derselbe Anschluss. Friedrichshain ist also in der DSL-Versorgung immer noch ausbaufähig; außer der Telekom scheint hier niemand eigene Kabel verlegt zu haben.

Damit stand nun Congstar ganz oben auf meiner Liste. Also habe ich dort online bestellt, bekam eine Bestätigung und dachte, damit wäre die Sache gegessen. Doch nach sechs Wochen erhielt ich dann den ernüchternden Brief, dass bei mir momentan leider kein Anschluss geschaltet werden kann.

III. Reaktion

Nun wurde die Zeit langsam knapp; mein Vertrag lief bis kurz vor Weihnachten und im neuen Jahr wollte ich wieder online sein. Das waren nur noch vier Wochen, und von 1&1 habe ich bis heute nicht viel Gutes gehört, vor allem was die Realisierung von Umzügen betrifft – bei 24 Monaten Laufzeit ein wichtiges Kriterium. Also meldete ich mich bei meinem alten Anbieter, Freenet, zwecks Verlängerung des bereits gekündigten Vertrages. Dies gehe nicht, da die Telekom schon die Kündigung bearbeite, aber man könne mir entgegen der Aussage von der Homepage ein preiswertes Komplettpaket anbieten. Also gleich am Telefon bestellt und ab ging es in den so dringend benötigten Winterurlaub.

Doch auch bei Freenet mahlen die Mühlen langsam, und so dauerte es ab Tag der Bestellung vier Wochen (ok, da waren Feiertage und der Jahreswechsel dazwischen), bis man mir lapidar mitteilte, dass die Bestellung storniert wurde, weil an meinem Anschluss nicht die benötigte Datenübertragsrate vorliege. Super!

Als blieb mir nichts anderes übrig, als zumindest den Ausgangszustand wiederherzustellen und beantragte mein altes Paket (DSL + Flat) bei freenet. Eine Woche nach der Bestellung bekam ich die Nachricht, dass der Anschluss nach Rückmeldung der Telekom nicht umgesetzt werden kann, sie es aber nach 10 Tagen noch einmal probieren, um einen Irrtum seitens des rosa Riesen ausschließen zu können. Doch auch der zweite Versuch blieb erfolglos, mehr Begründung als „aus technischen Gründen nicht machbar“ rückte Freenet auch auf Nachfrage nicht heraus. Zur Erinnerung – ich habe zwei Jahre lang mit dieser Kombination aus DSL-Zugang und Telefonanschluss gesurft.

IV. Krise

Inzwischen war ich über einen Monat ohne Internet-Zugang, die ersten Entzugserscheinungen machten sich bemerkbar und das Ausweichen auf den Arbeitscomputer war nur eine halbwegs befriedigende Lösung. So informierte ich mich über eine Alternative zum DSL-/Telefon-Anschluss, das Fernsehkabel, denn seit zwei Jahren schon bombardierte Kabel Deutschland (KD) mein Haus mit ihrer Werbung. 50 Euro Anschlussgebühren für einen an die Wohnung gekoppelten und 24 Monate laufenden Internetzugang fand ich jedoch zuviel. Außerdem würde man ja dann merken, dass ich bisher kostenlos mit Kabelfernsehen versorgt wurde…

Doch auf der Homepage von KD fand ich deutlich bessere Konditionen, und da die Laufzeit nur noch ein Jahr beträgt und es anfangs ordentlich Rabatte gibt, entschied ich mich für eine Online-Anmeldung bei dem Kabel-Monopolisten. Leider bekam ich nach dem Ausfüllen der Formulare nie eine Bestätigungsmail, und als ich eine Woche später über das Kontaktformular nachfragte, ob mein Auftrag in Bearbeitung sei, bekam ich eine negatie Antwort.

V. Lösung

Doch noch bevor ich Depressionen entwickeln konnte bekam ich noch am selben Tag einen Anruf von einer Installationsfirma mit der Frage, wann sie denn bei mir den Anschluss legen sollten. Ich machte schnell einen Termin aus und siehe da, die Techniker kamen und nachdem sie sich über zwei Stunden mit meinem Anschluss beschäftigt hatten war ich plötzlich stolzer Besitzer eines funktionierenden Kabel-Modems inklusive Anschluss an die Außenwelt per Internet.

Epilog

Zudem löst KD auch meinen Telekomanschluss ab und mit 6MBit habe ich meinen Downstream verdreifacht (was sich aber nur selten bemerkbar macht). Einen weiteren Vorteil hat der neue Anschluss: Telefon und Internet sind jetzt genau da, wo ich sie brauche – nämlich im Wohnzimmer. Da meine PS3 leider kein WPA2 unterstützt, benötigt sie ein anachronistisches Netzwerkkabel, welches nun keine Raumgrenzen mehr überwinden muss.

Der Preis hält sich zusammen mit dem nun nötigen Fernseh-Tarif im Rahmen der alten Summe aus T-Com und DSL, und ich bin schlussendlich um die bittere Erfahrungen reicher: Never touch a running system; vor allem nicht wegen ein paar lumpigen Euro im Monat.

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