Gödel, Escher, Bach – ein endlos geflochtenes Band

von Douglas R. Hofstadter,
erschienen im Deutschen Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-30017-9, 19,90€

Fast sechs Monate habe ich jetzt gebraucht für gerade einmal 800 Seiten – eine grottenschlechte Bilanz. Dabei finde ich das Thema äußerst interessant, diese Suche nach Verbindungen zwischen mathematischen Problemen und der Kunst am Beispiel von Eschers Bildern und Bachs Kompositionen. An vielen Stellen habe ich noch während der Lektüre neue Blickwinkel entwickelt, und die Einführung in die Genetik und die Zusammenhänge mit Programmen aus der theoretischen Informatik haben mich wirklich gefesselt.

Doch die vielen interessanten Ansätze nützen nichts, wenn der rote Pfaden fehlt. Fast zwei Drittel des Buches beschäftigen sich allein mit dem zuksessiven Theorie-Aufbau für den Gödelschen Unvollständigkeitssatz, der mit der Zeit immer langweiliger wird und das Ziel verblassen lässt. Zudem musste ich anfangs mit den Begrifflichkeiten kämpfen. Mein Mathematik-Grundstudium mit algebraischer Ausbildung war an dieser Stelle eher hinderlich, da die Erklärungen Hofstadters nur auf sein Ziel ausgerichtet und damit nicht nur unvollständig, sondern auch aus dem allgemeinen Kontext gerissen sind. Dieses Ziel, die für den Autoren universale Theorie der seltsamen Schleifen, spiegelt sich dann ebenfalls im Aufbau des Buches wieder – der direkte Weg wird nie gegangen.

Zur Auflockerung der teilweise lapidar übergangenen theoretischen Grundlagen ist jedem Kapitel ein fiktiver Dialog vorangestellt, der meist in Form und Inhalt das im darauf folgenden Abschnitt erläuterte Problem wiederspiegelt. Dies erinnerte mich an einige Arbeiten zu Schulzeiten, als der Lehrer den Stoff abgefragte, bevor er im Unterricht durchgenommen wurde. Für mich als faulen Leser, der nur ungern zurückblättert und Kapitel mehrfach liest, war das ein unglücklicher formaler Aufbau, der die Motivation weiterzulesen deutlich senkte.

Wer also bereit ist, Zeit und Konzentration zu investieren und sich in mathematisch-theoretische Probleme hineinzudenken, kann mit Gödel, Escher, Bach sicherlich viele interessante Stunden verbringen. Doch so nebenbei konnte ich dieses Buch definitiv nicht lesen und der Leser sollte sich auch das Alter des Buches (Erstauflage aus dem Jahr 1979) bewusst sein, da einige Kapitel und viele Termini inzwischen überholt sind.

Einen Kommentar schreiben

(optional)