Intermission und Repo

Cillian Murphy, Colin Farrell, Kelly Macdonald, Shirley Henderson – die junge Garde aufstrebender englischer Schauspieler hat sich zusammen mit Colm Meaney in Intermission zu einem zeitgemäßen irischen Film versammelt. Es geht um Beziehungen und einen kleinen stümperhaften Raubüberfall; ein gutes Dutzend Figuren irrt in Dublin durch verschiedene Handlungsstränge, die sich immer wieder treffen und überschneiden, zum Ende aber entgegen der üblichen Strategie ruhig ausgleiten.

Dies ist inhaltlich wie inszenatorisch kaum eine Weiterentwicklung des von Guy Ritchie populär gemachten Konzepts, doch gerade durch die guten Schauspieler sehr sympathisch und vor allem kurzweilig unterhaltend, da der Crimefaktor zugunsten der interessanten Charaktere deutlich unterliegt. Und wie mir ein Kollege mit Irland-Erfahrung mitteilte, ist das Problem der Steine auf Busse werfenden Kinder sehr real.

Innovativer gibt sich hingegen Repo! The Genetic Opera, mit der sich ein amerikanisches Gespann an einem Rockmusical im Stile des Bring me to life-Videos von Evanescence gewagt hat. Das Ganze spielt in einer nahen Zukunft, in der Organe beliebig verpflanzt werden können, ein Konzern allerdings die Monopolstellung darin inne hält und gleichzeitig die Kredite für die Finanzierung der Transplantationen vergibt. Wer seinen Zahlungen nicht mehr nachkommt wird Ziel des Repo Man, der die auf Pump gekauften Organe von den säumigen Schuldnern per Operation am lebenden Objekt einfach zurückholt.

In diese Zukunftvision wurde eine Handlung gepflanzt um einen Arzt, der seine Tochter vor der Außenwelt einsperrt, und die Nachfolge des allmächtigen Repo-Firmenchefs, der seinen Konzern ungern an eines der drei unfähigen Kinder übergeben will. Natürlich werden diese Handlungen schließlich zu einer, und auch die Repo Man bekommt seinen Auftritt. Wie üblich für ein Musical werden die meisten Dialoge gesungen, dabei herrscht überwiegend harte Gitarrenmusik vor und optisch soll der Film vermutlich Goths und Emos ansprechen.

Leider geht dieser ungewöhnliche Mix nicht auf. Die Musik wird schnell eintönig und dadurch geht die gezwungen wirkende Dramatik der Handlung total unter – was in einem 3-Minuten-Videoclip funktioniert, muss in anderthalb Stunden auf der großen Leinwand noch lange nicht klappen. Zumindest wurde in Deutschland ähnlich wie bei Sweeney Todd auf eine Synchronisation verzeichtet, weshalb es der Film sicherlich schwer in den Videotheken hat.

Trotzdem scheint die Idee bei den Studiobossen gut angekommen zu sein, denn nächstes Jahr erwartet uns ein Blockbuster namens Repo Men mit Jude Law, Liev Schreiber und Forest Whitaker. Außer dem Namen deuten auch alle Informationen über den Inhalt des Films auf dieselbe Geschichte hin, nur diesmal ohne Gesang. Als reiner Actionreißer kommt der Thematik aber noch der letzte interessante Part abhanden, weshalb ich nicht viel von diesem Plagiat erwarte.

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