Dragon Age: Origins – Das Tagebuch, Teil 2

Es sind die Kleinigkeiten, die Dragon Age höhere Spieleweihen verwehren. Zum Beispiel ist das Spiel wenig auskunftsfreudig, wie man es bedient. Im Inventar findet man früher oder später Beschichtungen, die nur ein in der Giftherstellung erfahrener Charakter auftragen kann. Doch wenn man die Salbe im Inventar auswählt, passiert nichts. Man muss sich erst durch das Kreismenü hangeln, doch dies verrät weder das ansonsten gute Handbuch noch gibt es einen Hinweis im Spiel.

Diese Zurückhaltung zieht sich durch alle Bereiche. Manche Ausrüstungskombinationen haben Boni, doch wie hoch diese ausfallen erfährt man nicht. Es gibt nur eine Übersicht (mit schlecht gewählten Piktogrammen) über die Werte Rüstung, Verteidigung, Angriff, Schaden und Erschöpfung, deren Zusammensetzung bleibt jedoch ebenso schleierhaft wie der genaue Einfluss im Kampf. In Drakensang wurde die Berechnung jedes relevanten Wertes detailliert offengelegt; dies entspricht eher meinen Erwartungen an ein Rollenspiel.

Ganz grauenvoll ist das Inventar. Meine Party besteht zwar aus vier Charakteren, aber es gibt nur ein einziges Inventar mit fixer Größe, das nur durch teure Rucksäcke vergrößert werden kann und ansonsten nicht wächst. Jetzt habe ich bei meinen Streifzügen durch das Land Ferelden viele Gegenstände gefunden, deren Nutzen mir nicht klar ist. Was also mache ich mit diesen? Wegwerfen oder doch mit mir herumtragen, bis ich es benötige? Schön wäre es gewesen, wenn ich im Zeltlager der Party auch ein paar Kisten gehabt hätte, um dort temporär nicht benötigte Fundstücke aufzubewahren. Aber dieses Feature kann man ja per DLC nachkaufen…

Den Vogel abgeschossen haben die Entwickler mit den Spezialisierungen. Jeder Charakter bekommt mit den Stufenaufstiegen 7 und 14 einen Spezialisierungspunkt. Doch entgegen der Talente- und Fähigkeitenpunkte kann man diesen nicht sofort einlösen, denn dem Charakter fehlt initial das nötige Wissen. Und wenn man endlich jemanden gefunden hat, der einem das Wissen vermittelt oder verkauft, dann muss man trotzdem auf den nächsten Stufenaufstieg warten, um das Erlernte umzusetzen.

Es sind viele dieser Kleinigkeiten, die nerven – aufgegeben habe ich aber noch nicht, dafür haben die Bioware-Entwickler einfach zu viel Klasse und Erfahrung in RPGs. Dragon Age hat dieses Potential und fesselt mit gewohnten Tugenden. Ich erwische mich dabei, wie ich immer wieder denke: Noch den einen Raum im Dungeon säubern, noch schnell den Questgegenstand abgeben, und jetzt nur noch den Golem holen. Inzwischen habe ich 20 Stunden gespielt und gerade einmal 15% der Spielinhalte absolviert – das kann ein langer Winter werden!

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