Metropolis 2010

Karten für den Friedrichstadtpalast hatte ich keine und Lust auf zweieinhalb Stunden Frieren am Brandenburger Tor auch nicht, also musste ich die Welturaufführung der restaurierten Fassung von Metropolis in Originallänge und mit Original-Soundtrack eben in geselliger Runde auf der Couch im TV verfolgen – dank der kurzfristig realisierten Aufrüstung sogar in HD.

Und es hat sich gelohnt. Die fast dreißig Minuten neues altes Material geben dem Film mehr Tiefe; die wiedergefundenen Szenen runden die Geschichte an viele Stellen ab, stellen Verbindungen her, die vorher unklar waren und schenken uns mit dem Schmalen einen Charakter, der zusammen mit seiner Nebenhandlung beim Neuschnitt fast komplett entfernt wurde. Eine besondere Rolle spielt jedoch die Musikuntermalung, die mit den Bildern eine starke Symbiose eingeht und die Handlung unterstützt – dies war 1927 alles andere als üblich. Vielmehr sollte die Begleitmusik nicht vom Film ablenken, während sie in Metropolis die Geschichte auf der Leinwand vorantreibt, an anderer Stelle deren Tempo aufnimmt und zeitlich auseinanderliegende Szenen durch wiederkehrende Motive verbindet. Sie leistet damit das, was man heute von einem Soundtrack erwartet, funktioniert aber nur so gut, weil die dazugehörigen Szenen wieder im Film enthalten sind.

Deren optische Qualität ist hingegen unterirdisch. Während die 2001 restaurierten Szenen aufgrund des Abtastens der Positiv-Originale nur die Probleme der damaligen Kameratechnik offenbaren (vor allem die ungleiche Belichtung an den Rändern), ist das wiedergefundene Material eine schlechte Kopie eines Filmnegativs. Dieses hat nicht dasselbe Format, weshalb links und rechts und auch oben schwarze Ränder zu sehen sind. Desweiteren enthält es deutlich mehr optische Fehler wie Risse und das weitgehende Fehlen von Kameraschwenks verhindert die Rekonstruktion verdeckter Bildelemente, so dass ein gewisser optischer Bruch vorhanden ist. Einen Eindruck kann man sich auf der Seite zur Restaurierung machen.

Doch trotz – oder vielleicht auch gerade aufgrund – des schlechten Bildes verliert der Film niemals seine Anziehungskraft. Nach einiger Zeit hat das Auge gelernt, mit den Fehlern umzugehen und irgendwann nimmt man nur noch die Handlung wahr, wird förmlich hineingezogen in den Film und lässt so den Schleier der Zeit hinter einem zurück. Metropolis hat seinen Platz in der Filmgeschichte längst sicher, doch mit der vollständigen Fassung wird noch einmal deutlich, was für ein Mammutwerk Fritz Lang geschaffen hat!

Einen Kommentar schreiben

(optional)