Die Feuer des Himmels

von Robert Jordan,
erschienen bei Piper, ISBN 978-3-492-70085-6, 19,95€

Das Rad der Zeit dreht sich, die Zeitalter kommen und gehen und kehren wieder. Ebenso wiederholen sich die Späße, die sich Piper mit seinen Das Original genannten Neuveröffentlichungen der Serie erlaubt. Denn zu dem weiter angestiegenen Preis gesellt sich erneut ein zu Schweißfilmen führendes Hochglanzcover mit einer unpassenden Grafik von Korj aus der Agentur Luserke. Da der Übersetzer auch Luserke heißt, liegt der Verdacht nahe, dass er das Bild vermittelt hat. Dabei hätte er sich lieber mit mehr Sorgfalt seiner eigentlichen Arbeit, der Übersetzung, widmen sollen. Viele seiner Fehler sind dem Lektorat durch die Lappen gegangen: Regelmäßig finden sich Sätze, in den plötzlich unmotiviert alle Anfangsbuchstaben groß geschrieben werden. Es gibt einige Rechtschreibfehler, die einmal sogar zu einer Namensverwechslung führen (Thom und Trom) und damit den Inhalt verfälschen. Und der Ausdruck ist an einigen Stellen so schlecht, dass ich einige Absätze wiederholt lesen musste um festzustellen, auf wen sich Beschreibungen oder Aktionen überhaupt beziehen.

Für die sich wiederholenden inhaltlichen Kritikpunkte kann aber weder Piper noch der Übersetzer etwas. Noch immer geht Robert Jordan ein sehr gemächliches Tempo beim Fortschreiben der Handlung. Die detaillierten Beschreibungen von Kleidern und Landschaften zählen dabei eher zu den Pluspunkten – wobei es mir erstaunlicherweise meist schwerfällt, dazu Bilder im Kopf zu gestalten. Doch so langsam nervt es mich, den immer gleichen Gedanken der Hauptcharaktere zu folgen. So wenig, wie diese sich auf den über 1000 Seiten entwickeln, will ich als Leser doch nicht die ständigen Wiederholungen ihrer Selbstzweifel über mich ergehen lassen, sondern vielmehr Neues erfahren, mehr von dieser spannenden Welt, die Robert Jordan entworfen hat.

Doch die Charaktere sind meist introvertiert, und anstatt miteinander zu reden verfallen sie in innere Monologe ohne Ende. Da hat der wiedergeborene Drache nun einen der Verlorenen an seiner Seite, um ihn im Umgang mit der männlichen Seite der Einen Macht zu trainieren. Aus dem ständigen Misstrauen heraus spricht er jedoch wichtige Fragen nicht an und so muss ich als Leser mit den wenigen Informationshappen leben, die Jordan mir zuwirft. Es passiert so viel, was von den handelnden Personen nicht verstanden wird – das finde ich unbefriedigend, da die gemächliche rieselnde Handlung selten einen Ausgleich zu bieten hat. Und wenn es einmal spannend wird, fehlt plötzlich die Zeit, um den Konflikt richtig auszuarbeiten. Zwar wird vieles im Nachhinein noch einmal angesprochen, aber der Rythmus des Buches wirkt dadurch unausgewogen.

Nach fünf Büchern der Serie habe ich so langsam die Nase voll. Mich interessiert es wirklich brennend, wie die Geschichte weitergeht, doch das Lesen selber ist kein Vergnügen. So habe ich mir heute auf der englischen Wikipedia die Zusammenfassungen der folgenden Bände gegönnt und werde vermutlich nicht mehr auf die weiteren Veröffentlichungen bei Piper warten…

Vorhergehende Bücher:

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