Banditen & Mafiosi

Ein Urlaub in großer Runde bietet immer wieder die Möglichkeit, neue Spiele auszuprobieren. Und dies im klassischen Sinn, d.h. mit Spielbrett, Figuren und komplett offline. Dieses Jahr habe ich so die Bekanntschaft von El Paso und der Lemming-Mafia gemacht, die ich kurz vorstellen möchte.

Lemming-Mafia

Die Lemming-Mafia basiert auf Nicht-Lustig-Charakteren von Joscha Sauer. Sechs Lemming-Mafiosi machen sich dabei auf den Weg, um mit Zementschuhen ins Wasser zu springen. Die Spieler haben nun die Aufgabe, Wetten darauf abzuschließen, welchem Lemming dieses Ziel als Erstes gelingt. Mit Würfeln können sie dann Einfluss darauf nehmen, ob die Lemminge aufgrund zu schwerer Betonfüße vorher scheitern und in welcher Reihenfolge sie am Steg eintrudeln.

Hat der erste Lemming sein Ziel erreicht, ist das Spiel zu Ende und aus der Platzierung der Lemminge ergeben sich Punkte für die einzelnen Mitspieler. Aus vor dem Spielstart gezogenen Auftragskarten mit Punktwerten und der Wette auf den Sieger wird eine Gesamtpunktzahl errechnet und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Da die Wettkarten in umgekehrter Reihenfolge gelegt werden müssen (zuerst wird auf den Verlierer gewettet, dann auf den Vorletzten, usw) und dies auch nur auf wenigen Spielfeldern möglich ist (wobei ein Spiel schnell vorbei sein kann), kann man unter Umständen schon zu Beginn des Spiels dieses verlieren.

Dabei lebt die Lemming-Mafia eigentlich von den unterschiedlichen Zielen der einzelnen Spieler. Die geheimen Auftragskarten können dazu führen, dass ein Spieler einen Lemming gewinnen sehen will, während ein Konkurrent diesen als Letzten platzieren muss, um Punkte zu erhalten. Je nach Würfelglück wechselt so die Anzahl der Betongewichte am Fuß des Lemmings, nimmt zu und wieder ab. Dieses Ringen mit den Mitspielern macht hauptsächlich den Reiz des Spiels aus.

Sind sich jedoch mehrere Spieler einig, dass ein bestimmter Lemming gewinnen muss, dann kann das Spiel sehr schnell zu Ende sein. Diese nicht ausbalancierte Spiellänge inklusive einiger Lücken im Regelwerk ist dann auch mein Hauptkritikpunkt. Beim ersten Versuch war das Spiel gleich zu Ende, bevor es alle Mitspieler verstanden hatten, und ich habe mit -1 Punkten gewonnen (nicht erfüllte Auftragskarten geben Minuspunkte). So bleibt die Lemming-Mafia trotz des witzigen Szenarios eher in schlechter Erinnerung.

El Paso

In El Paso schlüpfen die Spieler in die Rolle von Banditen des Wilden Westens, die sieben Städte ausrauben wollen. In jeder der Städte, die nacheinander gemeinsam angeritten werden, befinden sich verschiedene Ziele für Raubüberfälle wie Banken, Goldminen oder Rinderfarmen. Dort können kleine Werteplättchen erbeutet werden, die eine Wertigkeit von 1 bis 6 besitzen. Was ausgeraubt werden darf, bestimmen fünf Würfel. Zeigen diese alle den Sheriffsstern an, dann ist das Banditenglück für diese Stadt aus und alle erbeuteten Plättchen verloren. Hat man jedoch die Stadt vorher verlassen, darf man die eigenen Plättchen gegen Gold eintauschen. Gewonnen hat am Ende der Spieler mit dem meisten Gold.

El Paso lebt vom Spiel mit dem Risiko. Die fünf Würfel reduzieren sich mit jedem Würfelwurf, sobald ein Sheriffsstern oben liegt. Ist nur noch ein Würfel im Spiel, ist das Risiko hoch, in die Hände des Sheriffs zu geraten und damit mit leeren Händen aus der Stadt gejagt zu werden. Auf der anderen Seite sind dann die meisten Mitspieler, die einem die Plättchen mit den hohen Beträgen streitig machen können, schon aus der Stadt ausgestiegen. Mit genügend Mut und Würfelglück kann sich ein Spieler sogar in der letzten Stadt noch vom Verlierer zum Sieger aufschwingen.

Trotzdem sollte man eine gewissen Planung nicht außer Acht lassen, denn Beutestücke lassen sich ich in bestimmten Städten zu besseren Tauschkursen versilbern. Wird man jedoch vom Sheriff geschnappt, dann verliert man auch diese mitgenommen Plättchen. Die richtige Mischung aus Risikobewusstsein und Planung, gepaart mit Würfelglück, macht also den Sieger aus. Dadurch ist El Paso weniger ein Spiel, was man gegeneinander spielt, sondern ein unterhaltsames Pausenfüller für zwischendurch. Es kommt kaum böses Blut auf, da hauptsächlich die Würfel über den Erfolg entscheiden, und gleichzeitig bietet das Spiel bis zum Ende genügend Optionen, um es spannend zu halten. Dies ergibt zusammen eine klare Empfehlung von mir!

Kommentare

  1. Johanna

    Hört sich gut als Zeitvertreib. Vorallem wenn man ein großer Nicht-lustig-Fan ist:-)

Einen Kommentar schreiben

(optional)