The Guard

Berlinale-Filmdatenbank

Gerry Boyle (Brendan Gleeson) ist ein Polizist an der westirischen Küste, der seinen Job eher locker nimmt. Er kennt seine Schäfchen im Dorf sehr genau, egal ob sie nun der IRA angehören oder wie die Dorfjugend mit Drogen dealen, und ist darum bemüht, den Zustand der Ruhe zu erhalten. Doch dann wird ein junger, ambitionierter Kollege aus Dublin zu ihm versetzt und zudem noch eine Leiche eines Ortsfremden gefunden, der offensichtlich ermordet wurde. Vorbei ist die Ruhe endgültig, als ein amerikantischer FBI-Agent (Don Cheadle) auftaucht, der einen großen Drogentransport in Irland erwartet und auf der Suche nach der Hehlerbande ist, zu der auch der Tote gehörte.

So weit, so unspannend. Es wird nicht bei einem Toten bleiben und man könnte meinen, von einem typischen Polizistenfilm zu lesen. Doch aus zwei Gründen ist The Guard mehr als das. Der eine ist der von Gleeson großartig verkörperte Boyle. Dieser auf den ersten Blick schwerfällige, massive Polizist mit seinem eigenwilligen Humor steckt schon einmal das Geld und die Drogen von Unfallopfern ein, spielt während der Dienstzeit im Pub bei einem Bier Videospiele, und lässt sich an seinem freien Tag Prostituierte aus Dublin kommen. Dabei bleibt er dem Zuschauer aber immer sympathisch und irgendwie ist man sogar der Meinung, dass Boyles Art, seinen Job auszufüllen, die richtige ist. Dies verdankt der Film ganz klar seinem Hauptdarsteller.

Der zweite wichtige Faktor des Films ist sein bitterböser schwarzer Humor. Boyles Lebenseinstellung lässt er seinem FBI-Kollegen und allen anderen Charakteren an jeder Stelle direkt spüren, und dies passiert in unglaublich humorvollen Dialogen, die von der ersten Minute an unterhalten. Dabei habe ich vermutlich noch die Hälfte der Pointen verpasst, da The Guard nicht nur am letzten Ende Irlands spielt, sondern auch alle einheimischen Charaktere in einem schwer verständlichen Akzent sprechen. Wer schon einmal in Irland war, hat vermutlich große Vorteile im Verständnis, ich hätte mir jedoch Untertitel gewünscht (und werde mir den Film bestimmt noch einmal auf DVD geben).

Aber auch so gibt es genügend zu hören und sehen. Die Gangstertruppe, die über Nietzsche-Dialoge debattiert, ein IRA-Mittelsmann, der den Kofferraum seines Käfers nicht findet, ein schwuler Polizist, der eine Scheinehe mit einer Kroaten führt – die Figuren sind alle angenehm schrullig und mit Ecken und Kanten gezeichnet.

Lässt man die spritzigen Dialoge und verschrobenen irischen Charaktere aber außen vor, dann kommt wieder ein Polizistenfilm zu Tage, wie man ihn schon oft gesehen hat, mit vielen klassischen Zutaten wie Korruption, Erpressung und einem heldenhaften Ende. Das Rad wurde also nicht neu erfunden, aber die Erzählweise und das irische Setting heben den Film aus der Masse heraus.

Regisseur und Drehbuchautor John Michael McDonagh ist übrigens der Bruder von Martin McDonagh, der für den sehr ähnlichen gelagerten Brügge sehen … und sterben dieselben Rollen ausfüllte (und in welchem Brendan Gleeson ebenfalls eine Hauptrolle inne hatte). Die Familie McDonagh scheint also über denselben Humor zu verfügen, der auch bei mir sehr gut angekommen ist.

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