Four Lions

UK (2010)
Regie: Christopher Morris
Darsteller: Riz Ahmed (Omar), Nigel Lindsay (Barry), Arsher Ali (Hassan), Kayvan Novak (Waj), Adeel Akhtar (Faisal) und andere tote Terroristen

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In einem Haus in Sheffield sitzen zwei Engländer pakistanischer Herkunft vor einer Videokamera, um ein Bekennervideo aufzuzeichen. Hinter der Kamera Barry, ein rechtsgerichteter Engländer, der sich nach seiner Konvertierung zum Islam den Pakistanis angeschlossen hat, um mit ihnen gemeinsam einen Anschlag gegen die westliche Kultur durchzuführen, in die sie alle so gut eingebunden sind. Alle besitzen kleine Häuschen, und doch sammeln sie fleißig Wasserstoffperoxid, um bei einem Benefizmarathon in London sich selbst und möglichst viele Ungläubige in die Luft zu sprengen. Ein schnell wieder beendeter Besuch eines Ausbildungslagers in Pakistan sowie Versuche mit Krähen als Selbstmordattentäter und die ständigen Rangeleien in der Gruppe machen jedoch deutlich, dass sich die Amateure etwas übernommen haben mit ihrem Plan. Doch schließlich sitzen sie zusammen mit Karnevalskostümen voll Sprengstoff in einem Van auf dem Weg nach London und ihr großes Ziel scheint zum Greifen nah…

Four Lions schafft scheinbar mühelos den schwierigen Spagat, eine schwarze Komödie über das Thema des islamistischen Terrors zu sein und sich trotzdem nicht über die Religion selber lustig zu machen. Vielmehr zeigt er seine Antihelden voll integriert als anerkannte Kollegen im Job, beim Einkaufen im Tante-Emma-Laden um die Ecke und in öffentlichen Diskussionsgruppen – so wie es sich deutsche Politiker nicht besser wünschen könnten. Da bleibt das einzige Manko des Films, dass die Motivation seiner Charaktere im Dunkeln bleibt. Das Ziel ihres geplanten Attentats, die westliche Kultur, scheint im tagtäglichen Leben gar nicht das Feindbild zu sein, zu dem die Propaganda sie macht. Und doch sind sie dieser anscheinend willenlos ergeben.

Aber selbst diese Schwachstelle nimmt der Film selbstironisch in seinem bitterbösen Ton auf und präsentiert Omar in einer Szene mit Frau und Sohn, in der er seinen Nächsten von seinen Selbstzweifeln berichtet und von der Familie darin bestärkt wird, den Anschlag weiter zu verfolgen, als ginge es nur um ein Hobby oder eine finanzielle Entscheidung und nicht um den Kamikazetod des Vaters und Ehemanns. Eine ironische Familienidylle als Ersatz für eine Beschreibung der Motivation kann den Mangel zwar nicht ersetzen, aber das Spiel mit der eigenen Schwäche passt gut in den allgemeinen Stil des Films.

Ansonsten ist Four Lions vor allem eins – eine schwarzhumorige Komödie in Stile von Monty Python, die von Nonsens in Form des treudoofen Waj bis hin zu den sehr böse inszenierten Toden alle Aspekte des Humors bedient und dem Zuschauer kaum Lachpausen gönnt. Da geht fast unter, dass der Film auch durchaus kritische Punkte anspricht wie die allumfassende Videoüberwachung, die aber genau wie die Geheimdienste die falschen Ziele überwacht. So gehört Omars Bruder einer religiösen Gruppe an, die den Koran streng interpretiert, aber genau deshalb jegliche Gewalt verabscheut. Trotzdem landet der Bruder und nicht Omar in einem Foltercontainer, der die politischen Absurditäten des Guantanamolagers auf die Spitze treibt. Jeder hat so seine ganz persönlichen Feindbilder, denen es zwar in der realen Welt an Entsprechungen fehlt, die aber trotzdem das Handeln der Figuren bestimmen.

Fazit: Wer mal wieder richtig lachen möchte und keinerlei Berührungsängste mit dem Thema Selbstmordattentäter hat, dem sei Four Lions wärmstens empfohlen. Die Hauptqualität des Films ist dabei schwarzer britischer Humor von der ersten bis zur letzten Minute und ganz nebenbei kritisiert er auch noch Fehlentwicklungen in der Gesellschaft – eine Mischung, die mir sehr gut gefallen hat.

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