State-of-the-Art: ILC

ILC steht für Interchangeable Lens Camera und beschreibt das Marktsegment zwischen hochwertigen Kompaktkameras und Spiegelreflexkameras. Gemeinsam ist dieser Gruppe von Kameras eine relativ kompakte Gehäusegröße und das Fehlen eines klappenden Spiegels zwischen den mittlelgroßen Sensoren und den wechselbaren Objektiven. Vorreiter dieser Gattung waren Panasonic und Olympus, welche beide auf den Standard m43 (Micro Four Thirds) setzen und bereits drei, vier Generation an Kameras auf dem Markt gebracht haben. Sony und Nikon dagegen sprangen erst spät auf den Zug auf. Während der Elektronik-Weltkonzern eine Kombination aus Spiegelreflex-Sensor (APS-C) und neuem Bajonett (E-Mount) wählte, ging Nikon wie immer einen komplett eigenen Weg: Der CX-Sensor ist kleiner als m43, der Objektivanschluss 1-Mount ebenfalls eine Eigenentwicklung, und so bindet sich der Käufer auf Gedeih und Verderb an den Hersteller.

Beide Systeme haben gegenüber m43 momentan das Problem, dass die Auswahl an Linsen aufgrund der Unterstützung durch nur jeweils einen Hersteller sehr klein ist. Der Käufer muss sich also fragen, warum er eine Kamera mit Wechselobjektiven kauft, wenn es kaum Objektive zum Wechseln gibt. Dies wird sich mit der Zeit sicher ändern, aber derzeit hat m43 noch die Nase vorne. Von den großen Playern im Digitalkameramarkt fehlt in diesem stark wachsenden Segment aktuell nur Canon, doch Gerüchte besagen, dass dies nicht mehr lange der Fall sein wird.

Doch warum schreibe ich das Ganze? Der Grund dafür ist, dass ich mich seit ein paar Wochen frage, was Olympus und Pentax geritten hat, so selten hässliche Kameras auf den Markt zu bringen, wie deren neue Modelle. Olympus hat bereits mit der PEN-Serie die Form ihrer klassischen Kameras aufgegriffen, diese allerdings merklich aufgefrischt. Nun ist die Firma einen weiteren Schritt zurück gegangen und hat das Prime-Segment mit der Kamera OM-D besetzt, die aufgrund ihrer harten Kanten wohl nur Fans, die wehmütig an ihre Original-OM-Modelle zurückdenken, ansprechen wird:

Olympus OM-D

Pentax dagegen hat ein Ohr für den Käufer und hat mit der neuen K-01 eine Kamera entwickelt, die einen Spiegelreflexsensor (APS-C) in einem kleineren Gehäuse mit dem hauseigenen K-Mount-Bajonett kombiniert und so zum Verkaufsstart eine große Auswahl an Objektiven im Angebot hat. Doch gehörten schon die Spiegelreflexkameras von Pentax zu den hässlichen Entlein auf dem Markt, so ist die K-01 eine ganz eigene Kategorie. Von Mark Newson entwickelt, erinnert mich das Design mehr an ein LEGO-Spielzeug als ein ernstgemeintes Produkt. Das extrem dünne 40mm/2.8-Objektiv ist zwar ein Highlight, aber die pummelige und billig wirkende Kamera will mir nicht so recht gefallen:

Pentax K-01

Mich beschleicht das Gefühl, dass die Hersteller immer noch mit dem neuen, erstaunlich erfolgreichen Marktsegement experimentieren. Die einen (Sony, Nikon) halten ihre Kameras für Lifestyleprodukte, die ein entsprechendes Design aufweisen müssen. Features sind dabei wichtig (Sony hat mit der NEX-7 eine Highend-Variante im Angebot), aber das Aussehen mindestens ebenso. Pentax denkt vermutlich ähnlich, hat aber eine andere Vorstellung von Design. Olympus schließlich sieht ihre Käufer vermutlich eher als Aussteiger aus dem DSLR-Format und will ihnen deshalb eine vollwertige Alternative im kleinen Paket bieten. Ob sie mit dem mittelalterlichen Design aber neue Kundengruppen erschließt oder nur den eigenen DSLR-Markt kannibalisiert, muss die Zeit zeigen.

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