Rentaneko

Berlinale-Filmdatenblatt

Rentaneko (Rent-a-cat, Leihe eine Katze) – diese Worte durch ein Megafon rufend läuft die junge Sayoko am Rande eines Flusses durch eine Stadt. Hinter sich her zieht sie einen Wagen, auf dem sich allerlei Katzen tummeln, die sie an einsame Mitmenschen verleiht. Ab und an kommt jemand vorbei und sucht sich eine Katze aus. Eine alte Frau, deren Mann verstorben ist; ein Mann, der weit entfernt von seiner Familie arbeiten muss; eine Mitarbeiterin einer Autovermietung, die allein eine Station führt. Doch während Sayoko die Löcher in den Herzen ihrer Kunden füllt, ist sie selber trotz aller Katzen im Haus einsam. Bis sie einen ehemaligen Mitschüler wiedertrifft, der sich als notorischen Lügner und Dieb durch das Leben schlägt.

Rentaneko ist ein kleines, japanisches Großstadtmärchen. Traum und Realität liegen nah beieinander und gehen ineinander über, wenn Sayoko auf die Fragen ihrer Klienten nach ihrer eigentlichen Einnahmequelle immer neue Berufe nennt, die sie mit Unterstützung ihrer Katzen ausübt: Ob sie nun eine erfolgreiche Aktienbrokerin ist oder Jingles für Werbespots komponiert – das Leben der jungen Frau wird von ihrer Fantasie bestimmt, die Rentaneko eine sympathische Skurilität verleiht.

So leichtfüßig die Welt der Sayoko mit ihrer warmen Sommerstimmung und -farbgebung inszeniert ist, folgt der Film doch einer strengen Episodenform. In jeder Episode wiederholen sich bestimmte Elemente wie die frechen Kommentare der seltsamen Nachbarin, die Überprüfung ihrer Klienten durch Sayoko, die Unterzeichnung des Leihvertrags mit immer denselben Fragen und schließlich die Rückgabe der Katze, nachdem der Grund für die Einsamkeit (meist symbolisch mit dem Bild eines Loches verknüpft) auf die eine oder andere Art beseitigt wurde. Die regelmäßigen „Rentaneko“-Rufe konnte nach Ende des Films vermutlich jeder Zuschauer mitsingen und mir schwirren sie ein paar Wochen später immer noch im Kopf herum.

Von ein paar Schulkindern, die wiederholt Sayokos Weg kreuzen, wird sie als die verrückte Katzenfrau bezeichnet, was bei mir Assoziationen zu den Simpsons weckte, da zudem das Häuschen der jungen Frau fest in der Hand der Tiere ist. So vergeht kaum eine Minute, ohne dass eine Katze durch das Bild schleicht – an Katzencontent hat der Film genug zu bieten. Zwischen den einzelnen Episoden des Films wurden sogar drollige, wenn auch wenig relevante Videoaufnahmen der Tiere geschnitten.

Trotzdem stehen die Katzen nicht im Mittelpunkt der Handlung sondern sind ein Ausdruck für die verschiedenen Formen der Einsamkeit der sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch gewandelten Gesellschaft. Diese sozialkritischen Töne sind zwar dezent, aber doch wahrnehmbar in den Episoden vorhanden (Einsamkeit im Alter, Einsamkeit durch die Mobilität der modernen Arbeitswelt, Unternehmensfilialen mit nur einem Mitarbeiter) und das Ansprechen dieser Probleme macht aus Rentaneko mehr als nur ein nettes Filmchen.

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