More movies on planes

Urlaubszeit ist Reisezeit. Und wer wie ich um die halbe Welt fliegt, hat sehr viel Zeit, im Flugzeug Filme anzusehen. Deshalb folgen nun ein paar Gedanken zu dem, was ich gesehen habe:

A dangerous method

Die frühen Filme von David Cronenberg werden gerne unter dem Genre Body-Horror einsortiert. Aber auch seine letzten Filme wie Eastern Promises hatten abseits des Horrors eine körperliche Intensität, die ich als das Markenzeichen des Regisseurs bezeichnen würde. Umso überraschter war ich, dass davon in A dangerous method so gut wie nichts zu spüren ist.

Dieser beschäftigt sich mit der Beziehung von Carl Jung zu seinem Mentor Sigmund Freud. Einst der Musterschüler von Freuds Psychoanalyse will er diese weiterentwickeln, trifft dabei aber auf Widerstand ausgerechnet bei Freud, der im steifen Wien des jungen 20. Jahrhunderts noch mit genügend Gegnern seiner Arbeit zu kämpfen hat. Auslöser des Streits zwischen den beiden Doktoren ist dabei Sabina Spielrein. Diese unter hysterischen Anfällen leidende junge Frau wird in Jungs Klinik eingeliefert und kann dank der Psychoanalyse geheilt werden. Dabei entwickeln Doktor und Patient allerdings Gefühle füreinander, die Freud missbilligt.

Diese über Briefe und bei gegenseitigen Besuchen ausgetragene Auseinandersetzung findet dabei nur auf der Dialogebene statt. Ansonsten ist der Film für Cronenbergs Verhältnisse sehr zurückhaltend und so steif wie seine Kostüme. Die gesellschaftlichen Zwänge der Zeit scheinen auf den Film über zu greifen und engen Kamera wie Inszenierung ein. Nur selten gibt es Ausbrüche wie die Einlieferung Sabina Spielreins in Jungs Klinik, wo der ansonsten zurückhaltende Soundtrack die Krankheit der Frau sehr explizit in den Vordergrund drängt. Oder der kurze Blick in die Wohnung von Sabina, wo Jung sie beim Sex züchtigt. Aber ebenso wie Jung nur im Geheimen seinen Trieben nachgibt, in der Öffentlichkeit aber nicht dazu steht, sind diese Ausbrüche nur von kurzer Dauer.

Diese Spiegelung der Handlung in der Form des Films hat mir nicht gefallen. Der eigentlich spannenden Thematik wird Cronenberg so nicht gerecht, auch wenn die guten Schauspieler ihr Bestes geben. Schade, ich hatte mir echt mehr erhofft von A dangerous method.

Der Gott des Gemetzels

Eine illustre Schauspieler-Riege hat Roman Polanski für seine Adaption eines Theaterstücks gewinnen können: Kate Winslet, Jodie Foster, John C. Reilly und Christoph Waltz tragen diesen Film, der ausschließlich in einer Wohnung in Manhattan spielt und zwei Elternpaare mit ihren Wertvorstellungen und ihrem Arangement in der Welt konfrontiert. Auslöser ist dabei eine kleine Prügelei der Söhne, die dazu führt, dass sich ihre Eltern über 70 Minuten lang beschimpfen, betrinken, beleidigen, Allianzen bilden und auflösen und sich gegenseitig an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen.

Das ist durchgängig sehr komisch und in seiner Übertreibung auch ein wenig erschreckend, wenn ich als Zuschauer die zivilisierten Fassaden so schnell in sich zusammenfallen sehe.

The Descendants

Hier muss ich das Fazit vorneweg nehmen: The Descendants ist ein wirklich guter Film, den ich nur empfehlen kann. Und das vor allem, weil alles so gut zusammenpasst. Die vom leisen Humor lebende Geschichte mit ihren fein ausgearbeiteten Charakteren, dem genau passenden Cast und dem ungewöhnliche Blickwinkel auf ein alltägliches Hawaii mit einer sehr stimmigen Musik, aber nicht nur Sonnenschein.

Einen wichtigen Anteil am Funktionieren des Films hat dabei George Clooney, dem es gelingt, das Image vergessen zu lassen, das alle Welt von ihm hat. Wie er in Hawaii-Hemden herumläuft und seine Lesebrille führt, das macht ihn schon äußerlich zu dem biederen Anwalt Matt King, den seine Rolle vorschreibt. Die beste Szene des Films zeigt jedoch, wie stark er an sich gearbeitet hat: Als seine große Tochter ihm eröffnet, dass seine im Koma liegende Frau eine Affäre hatte und sich von ihm trennen wollte, da macht er sich auf, um die besten Freunde danach zu fragen. Dazu versucht er auf der Veranda verzweifelt, seine Sandalen anzuziehen und rennt danach auf so unsportliche Weise eine nasse Straße entlang, dass ich kurz vergaß, wen ich hier vor mir habe.

Das einzige Manko des Films ist vielleicht, dass seine Handlung im Nachhinein zu übertrieben wirkt. Was muss der Anwalt doch viel gearbeitet haben, wenn er nicht einmal mitbekommen hat, warum seine ältere Tochter ausgezogen ist. Um die jüngere Tochter scheint er sich noch viel weniger gekümmert zu haben, dabei wirkt er mit seinen vielen Cousins wie ein typischer Familienmensch. Dass sich zudem der Liebhaber seiner Frau an sie herangemacht hat, damit sie Einfluss auf die Vergabe des wertvollen Grundstücks nimmt, dass Matt als Nachfahre des letzten Königs von Hawaii geerbt hat – das ist einfach zu viel, um noch glaubwürdig zu sein.

Doch zum Glück lebt der Film mehr von der Selbstfindung seines Helden. Und diesen dabei zu beobachten, wie er in seiner typisch hawaiianisch zu nennenden, ruhigen Art zusammen mit den Töchtern und dem jungen Sid die vielen Probleme angeht, ist einfach sympathisch und hat mir sehr gut gefallen.

We need to talk about Kevin

Dieser Film ist wirklich verstörend. Nicht, weil er die Perspektive der Mutter eines amoklaufenden Schülers einnimmt. Diese ist nämlich durchaus interessant, da sie nicht mit dem Amoklauf endet, sondern gerade auch das Leben nach der Tat thematisiert. Nein, das verstörende ist vielmehr die Darstellung des Täters als Inkarnation des Teufels. Schon von klein auf soll er seine Mutter nur terrorisiert haben, und niemand anders soll es bis kurz vor Schluss mitbekommen haben. Dies kann nun ein Kunstgriff sein, um eine zutiefst einseitige Wahrnehmung der Mutter dem Zuschauer zu vermitteln, doch vieles bleibt einfach unglaubwürdig. So wird nie gezeigt, wie der Sohn Kontakt mit anderen Kindern hat, und doch lernt er ziemlich schnell alle möglichen
Schimpfwörter und Vokabeln, die ihm nicht die Eltern beigebracht haben.

Was trotz der Perspektive deutlich wird, vor allem in den Besuchen im Gefängnis, sind die Schuldgefühle der Mutter. Sie ist teilweise daran Schuld, den Sohn für das Bogenschießen begeistert zu haben und mit ihrer Erziehung auch die Zerstörung ihrer Familie mit verursacht zu haben. So erträgt sie die Anfeindungen in ihrer Heimat und bleibt in der Nähe des Sohnes, statt den Problemen durch einen Umzug zu entfliehen.

Die Regisseurin verwendet für ihren Film einige sehr prägende Stilmittel. So dominiert die Farbe Rot in all ihren Aspekten (Blut, Farbe, Tomaten) und wirkt wie ein Kit für die auf verschiedenen Zeitsträngen erzählte Geschichte. Sobald die Rahmenhandlung, das Aufwachsen von Kevin, in einen anderen Strang übergeht (das Leben der Mutter nach der Tat, ihr Leben vor der Geburt), dann wird dieser Schnitt meist über die Signalfarbe ausgeführt und hält so die Zeitebenen zusammen.

Ein weiteres exzessiv eingesetztes Stilmittel ist das extreme Spiel mit der Tiefenschärfe. Oft wird der Zuschauer wandernden Schärfebereichen ausgesetzt, die erst zuletzt enthüllen, was eigentlich zu sehen ist. Diese Szenen wirken dadurch sehr traumhaft und surreal, ohne das der Film dabei auflöst, als was sie zu verstehen sind. Ich habe mich dafür entschieden, dass alles aus der Perspektive der depressiven Mutten zu sehen ist, und diese sich wie in einem Traumzustand befindet, da sie ein Leben lebt, dass weit von dem entfernt ist, das sie sich gewünscht hat.

My week with Marilyn

My week with Marilyn ist leichte Kost für zwischendurch. Eine wahre Geschichte um einen von Sir Lawrence Oliver inszenierten Film mit Marily Monroe wird aus Sicht eines Regieassistenten erzählt, der für die an Selbstzweifeln leidende Diva zum wichtigsten Fixpunkt wird. Schauspieler wie Judy Dench und Kenneth Brannagh sowie Michelle Williams als überzeugende Marilyn tragen den Film, doch die Geschichte, wenngleich zu großen Teilen wahr, bietet einfach zu wenig Drama oder Reibungsfläche, um den Film mehr als nur nett zu machen.

Alles was wir geben mussten

Eine Utopie des englischen Autoren Kazuo Ishiguro ist die Vorlage für diesen Film. Dieser beschreibt darin drei Jugendliche, die zusammen in dem entlegenen englischen Herrenhaus Hailsham aufwachsen, einer Art Internat. Wie schnell klar wird sind sie Klone echter Menschen, die als Ersatzteillager für die Originale benötigt werden. Sie sind Teil einer Art Experiment, in welchem die Schulleitung nachweisen will, dass auch die Klone mit der richtigen Bildung zu künstlerischen Leistungen fähig und deshalb keine Menschen zweiter Klasse sind.

Der Film beschreibt dies aus der Sicht der aufwachsenden Kinder, denen ihre Zukunft von anfang an klar ist und die trotzdem die Illusion eines halbweg normalen Lebens mit Job und Beziehungen aufrecht erhalten. Die normale Gesellschaft wird dabei weitestgehend ausgeblendet, nur über die Schulleiterin wird klar, dass es tatsächlichen eine ethische Auseinandersetzung mit dieser Form des längeren Lebens für die Originale gibt.

Ein Happy End ist dabei nicht vorgesehen, und gerade das Ende mit den kaum 30 Jahre alten, schwerkranken Charakteren (besonders gut: Andrew Garfield) bleibt wie ein Kloß im Halse stecken. Ein sehr bitterer Film, der seine Aussage gerade durch den Anschein einer Normalität verdeutlicht.

Sherlock Holmes – A game of shadows

Wo die geniale BBC-Serie Sherlock die klassischen Geschichten originalgetreu in die Gegenwart übersetzt und dabei mit eigenen Akzenten anreichert, haben die Filme von Guy Ritchie nicht mehr als die Figurenkonstellation und den Zeitrahmen aufgegriffen. Die Lücke füllte dabei eine typische Ritchie-Inszenierung mit viel Action, was im ersten Teil ganz gut funktionierte. Von A game of shadows kann ich das leider ganz und gar nicht behaupten. Frei nach dem Motto „größer, schneller, weiter“ wurde diesmal auf den Superschurken Moriarty und den gemeinsamen Tod von Sherlock und seines Nemesis in den Reichenbachfällen zurückgegriffen. Das ist dann aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit mit der BBC-Serie und dem Original, denn auf der Jagd nach Moriarty treibt es den Film über Paris und Heilbronn in die Schweiz, wo ein vorzeitiges Ausbrechen des ersten Weltkriegs verhindert wird.

In einer sehr hektischen und von Logiklöchern triefenden Inszenierung bleibt von den Detektivfähigkeiten Sherlock Holmes nicht viel übrig. Auch die Action des ersten Teils wird nur wiederholt; neue Ideen fehlen komplett. Noomi Rapace in der Rolle des weiblichen Nebendarstellerin verkommt so zur Mitläuferin auf der immerwährenden Jagd, selbst die Chemie zwischen Sherlock und Watson will diesmal nicht greifen und der Schauspieler vom Moriarty ist leider eine totale Fehlbesetzung und kann zu keinem Zeitpunkt den Superschurken glaubhaft darstellen. Einziger Lichtblick ist Stephen Fry, der als Sherlocks Bruder Mycraft eine denkwürdige Nacktszene hat.

The Ides of March

Der Film hat leider zwei große Probleme – und das sind ausgerechnet die Hauptdarsteller. Ryan Gosling läuft 90 Minuten lang gegeelt und gestriegelt durch den Film, und wechselt während dieser Zeit nicht einmal den Gesichtsausdruck. Das mag in Drive gut passen, ist hier jedoch zu wenig, denn was in dieser Figur vorgeht wird so ausschließlich über Dialoge vermittelt und wirkt wenig nachvollziehbar. Bei George Clooney ist die Situation anders geartet. Den Präsidentschaftskandidaten hat er super drauf, aber den Verführer der Praktikantin, der sich nachts in einer Restaurantküche mit dem Erpresser aus dem eigenen Team trifft, den habe ich ihm nicht abgenommen.

Zudem will der utopische Wahlkampf des Gouverneurs (Umwelttechnik für Wirtschaftswachstum, vorsichtiger Abstand zur Religion) nicht zur ansonsten realistisch anmutenden Darstellung der Präsidentschaftsbewerbung passen. So sehr ich mir wie George Clooney wünschen würde, dass es solche erfolgsversprechenden Positionen in der amerikanischen Politik gäbe – glaubhaft wirkt dies nicht.

Schön also, wie der Film die eigene, kleine Welt eines Präsidentschaftswahlkampfes thematisiert und die Motivationen der beteiligten Personen hinterfragt. Das ist spannend anzusehen, doch die genannten Probleme lenken unnötig vom Anliegen des Films ab.

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