Incendies – Die Frau die singt

Incendies ist ein teilweise sehr bedrückender Film über den Nahostkonflikt, der seinem Thema erstaunlich viele Facetten abgewinnt und doch unter dem für meinen Geschmack überkonstruierten Plot der Vorlage leidet. Mir sind vor allem zwei Szenen im Gedächtnis haften geblieben, die auch nach Filmende noch in meinem Kopf weiterarbeiteten.

Das eine ist das humanistische Ende der Geschichte. Die Mutter hat ebenso wie der Sohn viel verloren im Konflikt und beide haben zugleich an dessen anhaltender Verschärfung mitgewirkt. Und doch vergibt sie ihrem Sohn am Ende, hält das Versprechen, ihn immer zu lieben, und geht damit den einzig möglichen Weg, diese schon so lange anhaltende Gewaltspirale zu durchbrechen: Den Weg der Versöhnung und der Vergebung der gegenseitig angetanen Taten.

Die zweite Szene ist die Unterhaltung zwischen zwei Notaren, die im Scherz meinen, dass es den Nahostkonflikt nicht geben würde, wenn es ihren Berufsstand schon vor zweitausend Jahren gegeben hätte. Dann gäbe es nämlich eine rechtskräftige Besitzurkunde für die umstrittenen Gebiete und ein Wegerecht für die anderen Parteien und niemand müsste sich streiten. So unrealistisch diese Idee im Spiegel aller Kriege der letzten zwei Jahrtausende ist, so hat sie doch einen wahren Kern: Warum können die streitenden Parteien nicht gemeinsam ihre heiligen Plätze nutzen, anstatt auf die alleinige Nutzung zu pochen?

Aber genau diese Themen spricht Incendies quasi im Vorbeigehen mit an, und das ist die Stärke des Films. Durch die Perspektiven von innen (Mutter Nawal) wie von außen (ihre in Kanada aufgewachsenen Kinder Jeanne und Simon) werden die Auswirkungen und Auswüchse des Konflikts gezeigt und in Hinblick auf das Ende bewusst eine eindeutige Position vermieden. Ich freue mich über jeden Film, der so nachwirkt!

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