Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

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16.01.2019 19:24

von Manja Präkels, erschienen im Verbrecher Verlag, ISBN 978-3957322722, 20€

Hoyerswerda und Lichtenhagen waren Anfang der Neunziger erschreckende Eruptionen nationalsozialistischer Mentalität. Manja Präkels erörtert exemplarisch an einer Brandenburger Kleinstadt, welche komplexen Zusammenhänge diesen Ausschreitungen den Boden bereiteten und dass sie nur die sichtbare Spitze des Eisberges waren.

Sie erzählt vom Zerfall des Ostblocks, dem Wegfall alter Autoritäten und dem Zurückmelden lange unterdrückter und für tot erklärter Ansichten. Es geht um Elternhäuser, die so viel mit sich selbst zu tun haben, dass die nach Freiheit strebenden Heranwachsenden genug Vakuum zum Ausfüllen vorfinden. Und es geht um die schwere Transformation eines Staates, der dabei sein Gewaltmonopol aus der Hand verlor.

Die Landflucht der gebildeten Jugend war auch eine Flucht vor den herrschenden Zuständen, so jedenfalls lese ich das Ende des stark autobiografisch geprägten Buches. Gleichzeitig deutet es in eine Zukunft, wo inzwischen die Kinder der damaligen Aufrührer mit ähnlichen Aktionen auf sich aufmerksam machen.

Wer die Gegenwart verstehen will, muss die Vergangenheit kennen. Und für deren Aufarbeitung ist dieses Buch ein wichtiger Beitrag. Ich habe mich nur etwas schwergetan mit dem Reportagestil von Präkels, der einen knappen Absatz an den anderen reiht. Deshalb 4/5.