Danke Robbie

gesehen
gedacht
Published

15.10.2022 23:48

Es ist 1996, und im ZDF läuft abends im Spätprogramm eine Serie, wie ich sie bis dahin noch nicht gesehen hatte. Sie war düster, sie zeigte ein dreckiges Manchester ohne Helden, eine Polizei am Ende ihrer Kräfte, und hatte einen Hauptdarsteller, der ein Sklave seiner nicht wenigen Laster war. Aber er war eben auch ein extrem guter Psychologe, weit ab von den Klischees anderer Darstellungen, und hatte mit Robbie Coltrane einen charismatischen Schauspieler, der diesen Charakter so unnachahmlich verkörperte, dass er sogar aus dem grandiosen Cast (u.a. Geraldine Somerville, Robert Carlyle, Christopher Eccleston) noch herausragte.

Für alle Fälle Fitz (Cracker im Original) war damals wegweisend in seiner Darstellung der Polizeiarbeit und der Morde, aber auch in dem realistischen Umgang der anderen Charaktere mit der schwierigen Persönlichkeit Fitz. Sein teilweise extremes Verhalten und seine Arroganz führten immer wieder dazu, dass nicht auf seine Schlussfolgerungen gehört wurde. Zu zeigen, wie nah Genie und Wahnsinn bei ihm lagen, war eine große Stärke der Drehbücher von Jimmy McGovern.

Nun ist Robbie Coltrane am 14.10.2022 leider von uns gegangen und ich habe als eine Art Gedenken an ihn den noch fehlenden letzten Film aus der Serie (Nine Eleven von 2006) nachgeholt. Dieser fügt dem Bekannten nichts Neues hinzu, zeigt aber noch einmal, was ich bereits in den 90ern so mochte: Wenn nur Fitz und der Verdächtige in einem Raum gegenüber sitzen, und seine Empathie und Auffassungsgabe ihn immmer näher an die Wahrheit heranbringen. Wie er seinen Gegenübern seine ungeschminkten Gedanken an und vor den Kopf wirft und auch deshalb immer wieder an den hohen Erwartungen an sich selbst scheitert.

Schade Robbie, dass Du uns verlassen hast. Aber danke, dass ich Deine Schauspielkunst bestaunen durfte!

(dies beinhaltet natürlich auch die Wärme, die er trotz gigantischem Bart als Hagrid ausgestrahlt hat)