Angespielt
Nach ein paar Tagen des Testens bin ich gerade zahlender Kunde bei Geforce Now geworden - das Angebot, für nur 33€ sechs Monate lang im mittleren Abo zu spielen, war einfach zu verlockend. Dies erlaubte mir nun, ein paar Spiele anzuspielen, die ich schon länger in meiner Spiele-Bibliothek habe, aber aufgrund meiner schwachen Hardware zu Hause nie spielen konnte.
Ghostwire Tokyo
Das Spiel hat mich vor allem aufgrund seiner Optik angezogen. Wie schon Cyberpunk 2077 und Stray lebt es von einer urbanen Neon-Ästhetik, die sich von den Leveln (ein dunkles, verregnetes Tokio) über die Gegner-Optik (typisch japanische Geister wie Schulmädchen) bis hin zu den als Waffen dienenden ätherischen Bällen zieht.
Dazu kommt ein typisch japanischer Humor, wenn sich in der Schattenwelt Verkäufer-Katzen oder Waschbären die Klinke in die Hand geben oder der Spieler eingesammelte Geister über Telefonzellen freilassen muss.
Was auf der künstlerischen Seite überzeugt und als Story zumindest zum Weiterspielen animiert, hat mir spielerisch leider gar nicht gefallen. Mit der Einschränkung der Open World, da die Map erst zukessive über Schreine freigeschaltet werden muss, könnte ich noch leben. Aber das Kampfsystem ist so unausgegoren und ein echter Spaßkiller. Es gibt kein Trefferfeedback bei den Gegnern (wohl aber Trefferzonen), keine Anzeige wieviel Leben diese noch haben. Zusammen mit dem extrem begrenzten Munitionsvorrat überlebt man Kämpfe meist nur mit perfekten Treffern. Das ist mit dem Gamepad kaum zu erreichen.
Zwar kann ein Gegner anvisiert werden, aber die ätherischen Bälle, mit denen man schießt, brauchen ihre Zeit, bis sie zum Gegner geflogen sind. Bis zum Einschlag hat dieser seine Position verändert. Zudem kämpft man häufig gegen mehrere Gegner, die teilweise selber ätherische Bälle verschiedener Geschwindigkeiten abfeuern, bei denen ebenfalls schwer auszumachen ist, ob sie einen treffen oder nicht.
Am Ende sind die Kämpfe reines Chaos und einfach zu schwer für ein Action-Adventure. Schade drum, denn die Idee und künstlerische Gestaltung waren überzeugend.
Marvel Midnight Suns
Midnight Suns ist ein rundenbasiertes Taktik-Rollenspiel von den Entwicklern hinter der XCOM-Reihe. Da ich das Genre mag, habe ich mich sehr auf den Marvel-Ableger gefreut - bin nach den ersten Spielstunden aber etwas konsterniert. Nicht viel an den Spiel weiß mich zu überzeugen.
Es fängt bei den Kämpfen an: Die Angriffe basieren auf einem Kartensystem, ohne das scheinbar nichts mehr geht. Das Deckbuildung an sich ist jedoch gar nicht das Problem, sondern dass pro Runde die Karten zufällig zugeteilt werden, was die Kämpfe in lauter kleine Minikämpfe zerteilt, die fast schon an casual games erinnern. Dazu passt, dass die sogenannten Minions (Gegner ohne eigenen Namen, die von einer Attacke jeglicher Stärke niedergestreckt werden), pro Runde respawnen.
Desweiteren habe ich das eigentliche genretypische Positionieren vermisst. Es gibt kein Raster, keine Option auf Deckung, und auch keine klassische Aufteilung in Nah- und Fernangriffe. Stattdessen kann jeder Gegner auf dem gesamten Spielfeld angegriffen werden, und die eigenen Charaktere bewegen sich danach auf gefühlt beliebige Positionen. Trotzdem gibt es pro Runde eine Bewegungsaktion, um einen eigenen Charakter in eine bessere Position zu bringen, da mit Gegenständen auf dem Spielfeld interagiert werden kann und manche Angriffe Gegner wegschleudern, die dann auch Schaden beim Aufprall verursachen.
Am meisten gestört hat mich aber, dass das Spiel scheinbar zu 60% aus Story und Dialogen besteht. Ein um das andere Mal habe ich verzweifelt gewartet, wann ich denn endlich wieder kämpfen darf. Dies ist umso schlimmer, als sowohl Story als auch Dialoge derart schlecht geschrieben sind. Die meisten Marvel-Filme werden schon keinen Oscar für das beste Drehbuch gewinnen, aber Midnight Suns versucht sich in Humor und der Erzählweise der Filme, ohne auch nur annähernd deren Niveau zu erreichen.
Da hilft auch das Auftreten bekannter und geliebter Charaktere aus dem Marvel-Universum nicht. Zudem ist die Grafik gewöhnungsbedürftig: Es fehlt an Details und die bekannten Comichelden sehen alle etwas seltsam aus. Für mich ist das Spiel also auf breiter Front gescheitert.