Das geheime Fenster

USA (2004)
Regie: David Koepp
Darsteller: Johnny Depp (Mort Rainey), John Turturro (John Shooter), Maria Bello (Amy Rainey), Timothy Hutton (Ted), Charles Dutton (Ken Karsch), Len Cariou (Sheriff Dave Newsome), Joan Heney (Mrs. Garvey), John Dunn-Hill (Tom Greenleaf) und andere Hirngespinste

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Der Autor Mort Rainey macht eine schwere Zeit durch. Seine Frau lebt von ihm getrennt und will die Scheidung, das nächste Buch kommt einfach nicht voran und dann taucht auch noch ein Landei aus Missisippi auf und behauptet, dass Rainey eine Geschichte von ihm geklaut hat. Mort ist sich zwar ganz sicher, niemals ein Plagiat begangen zu haben, doch der seltsame John Shooter lässt einfach nicht locker und will, dass Rainey das Ende anpasst, welches angeblich nicht richtig ist….

Wem nach dem Lesen der Story diese irgendwie bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich schon mehr als ein Buch / einen Film von Stephen King gelesen / gesehen. Denn auch in die Kurzgeschichte „Secret window, secret garden“, die diesem Film als Vorlage diente, stammt aus der Feder des wohl produktivsten amerikanischen Schriftstellers. So sind viele Elemente wie der Autor mit Schreibblockade (der langsam verrückt wird), das (kleine) Maisfeld oder die natürlich abgeschieden liegende Holzhütte allzu gut bekannt, um einen wirklich vom Hocker zu reißen. Dafür wird aber auch dank der Routine des Autors von Anfang an die Spannung hoch gehalten, wie es sich für einen Psychothriller so gehört. Trotzdem ergeben sich leider einige Längen innerhalb des Films, die wohl auf die Herkunft als Kurzgeschichte zurückzuführen sind.

Eine sehr gute Entscheidung war es deshalb, Johnny Depp als Hauptdarsteller zu engagieren. Er trägt mit seiner grandiosen Vorstellung mal wieder fast allein den Film und stellt seine Kollegen um den ebenfalls großartigen John Turturro komplett in den Schatten. Er füllt die Lücken der Geschichte (und der für Kurzgeschichten üblichen kargen Charakterzeichnung) mit seinem Spiel und gibt Mort Rainey den nötigen Hintergrund und die Divergenz, damit der Zuschauer seine Reaktionen auch versteht.

Doch leider reichen selbst die guten Darstellerleistungen nicht aus, um die schwache Story aufzufangen. Spätestens ab der Hälfte des Films wird jedem Zuschauer klar, wo der Hase lang läuft – und trotzdem hält der Regisseur die behäbige Inszenierung bis zum Ende bei und setzt auch noch einen unrealistischen Schluß drauf (das gleiche Problem übrigens wie bei Panic Room, wo David Koepp Drehbuchautor war).

Der einzige Lichtblick ist dabei das Spiel mit der Geschichte in der Geschichte und die vielen Bilder, die die Übergänge zwischen beiden symbolisieren. Das Ende der Geschichte bezieht sich nämlich auf das Ereignis ein halbes Jahr vor der Handlung, als Mort fast Amy und ihren neuen Freund Ted in einem Hotel erschoss. Dies ist das falsche Ende, behauptet John Shooter (deshalb der Name) und weist Mort mit dem Spaten darauf hin, wie das richtige Ende aussieht. Und so setzt sich das zweite Ich des Autoren diesmal durch und kann durch den sanften Mort nicht mehr aufgehalten werden. Das Spiel mit dem Spiegel verdeutlich dabei den Übergang am Anfang wie am Ende, aber das Ende scheint nun endgültig zu sein.

Fazit: Eine zu schwache, vorhersehbare Story trifft auf einen grandiosen Johnny Depp, dem es zwar gelingt die guten Ansätze der Geschichte hervorzukehren, jedoch nicht den Film zu retten.

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