Harry Potter und der Gefangene von Askaban

USA (2004)
Regie: Alfonso Cuarón
Darsteller: Daniel Radcliffe (Harry Potter), Emma Watson (Hermine Granger), Rupert Grint (Ron Weasley), David Thewlis (Professor Lupin), Robbie Coltrane (Hagrid), Michael Gambon (Albus Dumbledore), Maggie Smith (Professor Minerva McGonagall), Alan Rickman (Professor Severus Snape), Tom Felton (Draco Malfoy), Gary Oldman (Sirius Black), Robert Hardy (Cornelius Fudge), Emma Thompson (Sybil Trelawney), Timothy Spall (Peter Pettigrew), David Bradley (Argus Filch), Richard Griffiths (Onkel Vernon Dursley), Fiona Shaw (Tante Petunia Dursley), Pam Ferris (Tante Marge), Harry Melling (Dudley Dursley), Julie Walters (Mrs. Weasley), Mark Williams (Mr. Weasley) und andere magische Wesen

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Die Sommerferien bei den Dursleys gehören jedes Jahr zu den unangenehmen Erfahrungen von Harry Potter. Als dieses Mal die Tante schlecht über seine Eltern herzieht, nimmt Harry seinen Koffer und verschwindet in Richtung Hogwarts. Doch auch das neue Schuljahr wird nicht ungefährlich für ihn, denn Sirius Black, der Harrys Eltern an Voldemort verraten haben soll, ist aus dem Zauberer-Gefängnis Askaban ausgebrochen und hinter Harry her. Deshalb wird die Schule auch von den Dementoren, den Wächtern von Askaban, heimgesucht; schrecklichen Kreaturen, die Menschen die glücklichen Erinnerungen aussaugen und auf der Suche nach Black auch nicht vor anderen Zauberern haltmachen. Zum Glück hat Harry in dem neuen Lehrer für die Verteidigung gegen dunkle Künste und Freund seiner Eltern, Professor Lupin, einen starken Rückhalt – doch auch Lupin verbirgt ein Geheimnis…

Gleich zu Beginn wieder der Hinweis: Wie schon bei Teil 1 (Harry Potter und der Stein der Weisen) und 2 (Harry Potter und die Kammer des Schreckens) habe ich auch zu diesem Film die Vorlage von J.K.Rowling nicht gelesen und beziehe mich deshalb in der Kritik nur auf die Verfilmung – zu der Umsetzung des Buches kann und werde ich mich nicht äußern.

Nachdem Chris Columbus bei den beiden Vorgängern Regie führte und aus meiner Sicht gerade gut in Fahrt kam, wurde irgendwo in den Chefetagen der Rechteinhaber beschlossen, dass fortan in jedem Film ein anderer Regisseur sein Können beweisen soll (vielleicht kommt doch noch Terry Gilliam…). Für den dritten Teil wurde so der Mexikaner Alfonso Cuarón verpflichtet, doch dies sollte nicht der einzige Bruch in der Serie ein. Denn neben der spürbar anderen Regie fällt es auch bei Kamera und Soundtrack schwer, die Verbindung zu den Vorgängern herzustellen. Die Bilder sind viel blasser als bisher und der Score spiegelt oft nicht die Stimmung wider, die das Auge wahrnimmt und fällt deshalb negativ auf. Auch kulissentechnisch ist Hogwarts nicht wieder zu erkennen, wenngleich das weitläufige Areal viel besser zu der Zaubererschule passt als ein enges Schloß wie bisher. Desweiteren wurden in der deutschen Fassung einige Synchronsprecher ausgewechselt und aufgrund eines Todesfalles auch der Schauspieler von Albus Dumbledore – viel Neues also für die Kenner der Filmserie.

Im dritten Lehrjahr dürfen die Schüler nun scheinbar erstmals Alltagskleidung wie Jeans tragen, was dem Film auch ein bisschen von dem viktorianischen Charme nimmt, der so gut zu Hogwarts passte. Und leider spielt die vorlaute Hermine auch wieder die erste Geige, nachdem sie in Teil 2 plotmäßig geschickt außer Gefecht gesetzt wurde. Sie verprügelt Malfoy (diesmal viel zu harmlos), weiß wieder alles besser und ist Harry am Ende immer einen Schritt voraus – dass dieser automatisch immer das Richtige macht oder ihm stets rechtzeitig geholfen wird, lässt den jungen Zauberer leider genau in der Senke zwischen Held und Antiheld versinken. Hier hat Frau Rowling eindeutig keine Figur erschaffen, mit der sich der Zuschauer / Leser indentifizieren kann.

Neben den noch immer recht unbeholfen spielenden Jungstars darf auch diesmal wieder ein Teil der englischen Filmprominenz mitwirken. Während Gary Oldman und Emma Thompson unter ihren Masken verschwinden und in den kurzen Auftritten kaum Akzente setzen können, ist David Thewlis wohl die Idealbesetzung für Professor Lupin (nomen est omen) – leider muss er ja wie jeder Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Mächte seinen Stuhl nach einem Schuljahr wieder räumen (scheinbar ein Running Gag der Serie). Ich hätte ihn gern ein weiteres Mal als Vaterersatz für Harry gesehen.

Wenn ich schon über Lupin rede bietet es sich an, gleich noch ein paar Sätze über die Effekte zu verlieren. Während das Schloss und sein Inneres (z.B. die fette Frau im Treppenhaus oder die Reiter im Festsaal) und die Zaubereffekte (z.B. in der Kneipe am Anfang) gewohnt souverän umgesetzt wurden, fehlt es ausgerechnet den „Monstern“ diesmal an der nötigen Perfektion. Bei den nicht sehr lebendigen Dementoren konnte man ja nicht viel falsch machen, doch sowohl dem Hippogreif als auch dem Werwolf und dem Grimm fehlt etwas die Lebendigkeit und Echtheit (der Grimm sieht aus wie der Wolf aus „Die unendliche Geschichte“ und der Werwolf hat viel zu dürre Beine…).

Dabei wird wieder einmal deutlich, wie stark doch Frau Rowling in der englischen Fantasy für ihren Zyklus gewildert hat. Die Dementoren erinnern frappierend an die Ringgeister, und für große Wölfe oder gar Werwölfe gibt es mehr als genug Vorlagen, ganz zu schweigen von in Ratten verwandelte Menschen. Und trotzdem hat diese Mischung einen gewissen Reiz, der sich nicht zuletzt auch durch die gekonnte Verknüpfung der vielen, zum Teil bücherübergreifenden Handlungsstränge ergibt (z.B. Rons Ratte Grätze). Leider ist aber der Plot um das Zurückdrehen der Zeit viel zu kindgerecht aufbereitet, um den erfahrenen Kinogänger zu überraschen und man wird sich sicherlich in den nächsten Teilen noch oft fragen, warum denn keiner einfach die Zeit wieder zurückdreht.

Fazit: Der in der Regie und Produktion gewollte Bruch in der Serie tut dem Film nicht gut, selbst wenn es viele schöne Ansätze wie die Rolle des Lupin oder das Zeitphänomen gibt. Jedoch wird das Niveau des Vorgängers in vielen Aspekten nicht wieder erreicht und deshalb ordnet sich der Gefangene von Askaban von der Wertung her in der Nähe des ersten Teils ein.

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