Brothers Grimm

Sie heißen Will und Jake und sind ein Betrügerduo – the Brothers Grimm. Schwer vorstellbar, dass diese beiden doch die schreibenden Gebrüder Grimm darstellen sollen, die mit ihrem Hausmärchen seit fast zwei Jahrhunderten bei den Kindern bekannt sind. Doch Terry Gilliams erster Film nach Fear and Loathing in Las Vegas nimmt sich viel mehr Anleihen an den Märchen als an den realen Personen Jakob und Wilhelm Grimm. Dabei stößt es schon ein wenig bitter auf, dass sich die eigentlich deutschen Hauptpersonen mit englischen Vornamen anreden – da hat die Synchronisation wohl etwas geschlafen.

Der Film bettet seine Handlung in die Zeit der französischen Besetzung Deutschlands ein. Die beiden Brüder ziehen mit zwei Komparsen durch die Lande und befreien das ungebildete Landvolk von inszenierten Hexen und Trollen – gegen Barzahlung natürlich. Doch ihr Wirken bleibt den Besatzern nicht unbemerkt, und so müssen Jake und Will als Strafe in französischem Auftrag nach Marbaden reisen, wo scheinbar jemand mit dem gleichen Muster Angst und Schrecken zu verbreiten sucht. Bald müssen jedoch die Brüder Grimm und ihr Aufpasser Cavaldi feststellen, dass sie es mit einem lebenden Märchenwald und einer bösen Märchenkönigin zu tun haben, die das Blut junger Mädchen für ihre Verjüngung braucht…

Der Film spielt schön mit den Versatzstücken aus verschiedensten Märchen: Rapunzels Haar in der angegrauten Fassung der schlafenden Königin, das Pferd mit den großen Augen, Ohren und vor allem dem Mund, Hänsel und Gretel auf der Suche nach Rotkäppchen. Immer kommt einen etwas bekannt vor, und präsentiert sich doch in einem komplett anderen Zusammenhang. Auch die anfänglichen Versuche von Will, in den erlebten Phänomenen eine Inszenierung zu erkennen, passen in den ironischen und verspielten Unterton des Films.

Leider sind jedoch die Charaktere zu überspitzt inszeniert, um glaubhaft zu wirken. Und so toben sich die Schauspieler von Heath Ledger über Matt Damon bis Jonathan Pryce und Peter Stormare so richtig aus in ihren Rollen. Allein Monica Bellucci scheint ihren Charakter etwas ernster genommen zu haben, aber ihre Auftritte in der jungen Fassung der Königin beschränken sich auf wenige, kurze Szenen, so dass ihr Name auf den Werbeplakaten angesichts ihrer Leinwandzeit etwas übertrieben scheint.

Die Geschichte selber ist zwar vor allem gegen Ende flott inszeniert, springt jedoch für meinen Geschmack zu oft zwischen den Handlungsorten. Die ständigen Wechsel zwischen Folterkammer, Dorf und Wald und die wechselnden Begleiter der Duos nimmt man zwar nur als Randerscheinung war, aber die Nebenfiguren hätten durchaus besser ausgearbeitet sein dürfen.

Schließlich will auch optisch bei dieser Mischung aus Sleepy Hollow und Der Pakt der Wölfe kein stimmiges Gesamtbild heraus kommen. Wo bei Ersterem die grauen Farben dominierten und nur in wichtigen Einstellungen das Rot als Kontrast und damit Stilmittel hinzu kam (das Blut im Baum, das Feuer der Mühle), nutzt Brothers Grimm die aktuell sehr angesagte Überfärbung und versucht, jede Szene in ein anderes Licht zu rücken. Ansonsten wurde bei der Ausstattung jedoch an keiner Stelle gespart – Kostüme, Kutschen, Dörfer und sogar der Wald kommen sehr glaubhaft herüber. Nur über den animierten Wolf sollte man den Mantel des Schweigens ausbreiten.

Fazit: Als Nachzügler der Fantasywelle um den Jahrtausendwechsel herum kommt Brothers Grimm leider etwas zu spät. Zu stark erinnert er doch an Erfolge wie Sleepy Hollow, ohne ganz deren Qualität zu erreichen. Der Film kann durchaus gut unterhalten und spielt sehr liebevoll mit dem unverbrauchten Thema Märchen und dem netten Szenario des von Frankreich besetzten Deutschlands. Doch viele Detailfehler stören etwas den Glanz der Ausstattung und lassen die Genialität der letzten Gilliam-Werke vermissen.

Original Homepage zum Film (der deutsche Verleiher versucht scheinbar zu sparen und präsentiert nur einen Trailer)

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