Monty Python Double Feature Part I: The Pythons Autobiography by The Pythons

von The Pythons & Bob McCabe,
erschienen bei Orion Books, ISBN 0-75286-425-4, 15,45€

Wenn dieser Beitrag mal einen Preis gewinnt, dann für die häufigste Nennung von Python in einem Titel. Dies ist damit begründet, dass ich in den letzten Wochen nicht nur intensiv die DVD-Edition von The Complete Series of Monty Python’s Flying Circus angesehen habe (Kritik folgt mit Teil 2 dieses Artikels), sondern parallel auch die Autobiografie der Gruppe gelesen habe.

Dies hat den netten Effekt, dass ich die Serie erstmals auch im Kontext der Künstler gesehen habe. Man erfährt, warum Terry Gilliams Animationen nur so von Gewalt strotzen, dass manche Sketche von der BBC zensiert wurden, wie es überhaupt zu der Zusammenstellung der einzelnen Folgen kam und vieles mehr. Am Meisten bekommt man jedoch ein Gefühl für die Charaktere hinter den Pythons vermittelt: Wie sie zusammenarbeiteten oder auch gegeneinander.

Das Buch bedient sich dabei ausschließlich Zitaten der sechs Mitglieder und im Fall des bereits gestorbenen Graham Chapmans auch der Angehörigen. Dabei bemühen sich alle, einfach nur die Erinnerungen hervor zu kramen – witzig sind davon nur die aus anderen Büchern übernommenen Beiträge von Chapman und die vereinzelten Tagebuchauszüge von Michael Palin. Das Buch lebt also nicht vom Witz der Gruppe, sondern von deren durchaus interessanten Geschichte.

Besonders ragt aber die Persönlichkeit von Graham Chapman heraus. Als bekennender Schwuler hatte er sein Leben lang mit dem Alkohol zu kämpfen und führte ein Leben auf der Überholspur, auf der ihn dann der Krebs einholte. Dabei war er sich seiner Probleme immer bewusst und schrieb auch recht witzig darüber, doch es hat lange gedauert bis er sich selbst überwinden konnte. Dass genau zu dieser Zeit Life of Brian entstand ist einer dieser interessanten Punkte, die die Werke der Pythons in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Die andere von der Gruppe abweichende Person ist Terry Gilliam. Er hat als Amerikaner nicht nur einen komplett anderen Hintergrund als der Rest der Pythons (alles Abgänger von Oxford oder Cambridge), sondern war auch lange Zeit nur mit seinem Animationen am Flying Circus beteiligt und eine Art Fremdkörper. Er saß zwar mit in den Meetings, in denen über die Sketche entschieden wurde und in denen diese weiterentwickelt wurden, doch er schrieb selber keine und gehörte auch nie einem Schreibpärchen an so wie Palin/Jones und Chapman/Cleese.

Desweiteren hat er wohl den größten Erfolg aller Gruppenmitglieder in der Post-Python-Ära gehabt – er zählt schließlich zu den besten Regisseuren der Welt. Meisterwerke wie Brazil, 12 Monkeys und Fear and Loathing in Las Vegas entstanden unter seiner Regie (und zuletzt Tideland). Doch schon zu Zeiten vom Holy Grail und Life of Brian zeigten sich die Probleme, die ihn unter den Produzenten den Ruf als schwierig eingebracht haben: Gilliam hat den Tick, unter dem Vorwand der Kostenersparnis Szenen so lange zu drehen, bis sie unter Ausnutzen der gebauten Kulissen perfekt eingefangen wurden. Dies nervt nicht nur die Schauspieler (John Cleese kam niemals damit klar), sondern ist aufgrund der Tatsache, dass Drehtage auch viel Geld kosten, sogar kontraproduktiv. Der Beginn von Der Sinn des Lebens mit der Meuterei von Angestellten eines Bürohochhauses sollte eigentlich nur ein kurzer, animierter Übergang im hinteren Teil des Filmes werden, doch Gilliam zog einfach los und drehte mit echten Kulissen und unter totaler Missachtung des Budgets einen Kurzfilm, der einfach nicht auf die notwendige Länge zusammengeschnitten werden konnte und so an den Anfang des Films wanderte.

Doch zurück zum Buch. Durch den Aufbau als Aneinanderreihung von Zitaten ist es mal wieder ein idealer Lesestoff für den täglichen Arbeitsweg, doch eine feinere Unterteilung in Kapitel hätte bestimmt nicht geschadet. So gibt es einen Mittelteil über die Arbeit an den vier Staffeln des Flying Circus, der 83 Seiten lang ist. Da verzweifelt man beim Lesen schon einmal, weil man das Gefühl hat nicht vom Fleck zu kommen.

Auch kommt das Ende dann etwas abrupt. Nach dem letzten gemeinsamen Film wird in 27 Seiten der Tod von Graham Chapman abgehandelt und alle anderen sagen noch etwas über die Bedeutung der Truppe und fertig, aus, finito. Da man sich 186 Seiten lang mit der Kindheit, der Ausbildung und ersten Gehversuchen der Pytons beschäftigt hat (sehr schwer verdaubar, da zwischen den Mitgliedern wie im gesamten Buch ständig gewechselt wird), hätte ein kurzer Blick auf die Karrieren nach dem finalen Split der Gruppe nicht geschadet. Es gab ja durchaus einige erfolgreiche gemeinsame Arbeiten der einzelnen Mitglieder (Ein Fisch namens Wanda, Erik der Wikinger).

Am Ende bleibt ein interessantes Buch für Fans der Pythons, das leider etwas am Konzept und bei der Umsetzung schwächelt. Doch als Begleitbuch zur Serie und für das Verständnis der Menschen hinter der Python-Gruppe kann es empfohlen werden, da es inzwischen auch als preiswertes Taschenbuch vorliegt.

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