Shadowmarch – Das Spiel

von Tad Williams,
erschienen bei Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-93718-3, 26,50€

Zwei Jahre ist es nun her, dass ich Teil Eins der geplanten Shadowmarch-Trilogie verschlungen habe, und nun habe ich die endlich erschienene Fortsetzung innerhalb einer Woche durchgelesen – immerhin 795 Seiten ohne Anhang. Viel hatte ich aus dem Vorgänger nicht mehr in Erinnerung, doch mein Blogeintrag und die vielen kleinen Informationsschnipsel im Text haben vollkommen ausgereicht, um der Handlung folgen zu können.

Und diese hat es in sich. Als Mittelteil der Saga geplant ist das Lesen natürlich unbefriedigend – es werden mindestens ebenso so viele neue Fragen aufgeworfen wie Antworten gegeben. Der Mord an Kendrick Eddon bleibt ebenso ungeklärt wie die Verbindung zwischen den Tollys und dem Autarchen. Doch dafür hält Williams das Tempo hoch und springt in einer irrwitzigen Geschwindigkeit von einem Handlungsfaden zum nächsten. Durch die vielen kleinen Informationshappen, die von den wenigen Nebencharakteren mit Hintergrundwissen geäußert werden, erhält man als Leser so nach und nach eine Idee von einem Ziel, auf das die Handlung vielleicht zusteuert.

Denn im Gegensatz zur Osten-Ard-Trilogie gibt es kein großes Endziel, dem die Charaktere zustreben. Briony Eddon ist auf der Flucht quer durch Eion, ihr Bruder Barrick wird durch das Zwielicht zur Königin der Qar getrieben, der ehemalige Hofarzt Chaven versteckt sich bei den Funderlingen und will seinen Spiegel zurück und Quinnitan ist auf der Flucht vor dem Autarchen nicht über Hierosol hinausgekommen. Alle diese Charaktere sind nur Spielbälle im titelgebenden Spiel, von Handeln kann nicht die Rede sein.

Diese Rolle steht nur dem Autarchen zu, der zielstrebig und mit einem enormen Wissensvorsprung durch die Geschichte pflügt. Während der Leser nur über die Verbindung zwischen den Eddons und Quinnitan rätseln kann, scheint der Autarch auch über die Rolle der Südmarksburg als Ruhestädte der Götter informiert zu sein. Mit den kurzen Auszügen aus den verschiedenen „Bibeln“ der einzelnen Völker als Einleitung zu jedem Kapitel betont Tad Williams zudem, dass die Götter der eigentliche Mittelpunkt seiner Welt sind.

Ob es nun überhaupt zu einem Happy-End wie der Rückeroberung der Markenlande durch die Eddons kommt, scheint mir ungewiss. Deshalb rate ich momentan von der Lektüre des Spiels ab – es ist zwar ungemein spannend zu lesen, lässt den Leser jedoch so unbefriedigt zurück, dass man lieber auf das Erscheinen des hoffentlich finalen Bandes warten sollte, um sich das Gesamtwerk zu gönnen.

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