Skyfall

USA/UK (2012)
Regie: Sam Mendes
Darsteller: Daniel Craig (James Bond), Javier Bardem (Silva), Judi Dench (M), Ralph Fiennes (Gareth Mallory), Ben Whishaw (Q), Naomie Harris (Eve), Albert Finney (Kincade), Bérénice Marlohe (Sévérine) und andere Doppel-Nullen

Offizielle Homepage

James Bond ist tot – zumindest glaubt dies alle Welt für ein paar Filmminuten. Nach dem fehlgeleiteten Schuss einer Agentin ist 007 in der Türkei von einem fahrenden Zug in einen Fluss gestürzt und wird von M für tot erklärt. Denn die Chefin des MI6 hat genügend andere Probleme: Erst setzt ihr die britische Regierung mit Gareth Mallory einen neuen Chef vor die Nase, der sie als erste Amtshandlung aufs Alterteil schieben will, und dann gelingt auch noch ein Cyberangriff und Sprengstoffanschlag auf ihr Büro und Hauptquartier, woraufhin sie sich vor einem Untersuchungsausschuss verantworten muss.

Zeit also für Bond, seine Auszeit an der türkischen Mittelmeerküste zu beenden und sich auf die Suche nach dem Urheber des Angriffes zu machen. Über Shanghai und Macau gelangt er schließlich auf die Insel des ehemaligen MI6-Spions Silva, der noch eine Rechnung mit M offen hat. Was erst wie eine souveräne Festnahme aussieht, entpuppt sich schließlich als lange geplanter Plan von Silva, der aus dem Zentrum des neuen MI6-Hauptquartiers seine Rachefeldzug gegen M erst richtig startet…

An dieser Stelle hat der Film gerade einmal seine Halbzeit erreicht und eine Story abgearbeitet, die auch für einen ganzen Bond gereicht hätte: Dem souveränem Einstieg in Istanbul, dem zu Glück die Hektik von Ein Quantum Trost abgeht, folgte eine optisch beeindruckende Sequenz in einem Hochhaus von Shanghai vor einem gigantischen Werbedisplay. Weiter ging es exotisch mit einem Casino in Macao und dem ersten Auftritt von Silva, der Bond doch tatsächlich homosexuelle Avancen macht.

Mit der Festnahme von Silva wechselt jedoch die Stimmung des Filmes. Die bunten asiatischen Orte müssen einem tristen, grauen England weichen, und das Drehbuch gönnt sich eine längere Auszeit. Während M ein sinnlos-schnulziges Plädoyer zur Verteidigung ihres Geheimdienstes hält, jagd Bond Silva seltsam uninspiriert durch die Londoner U-Bahn. Vor allem hat mich jedoch das Technogebabbel von Q genervt, wodurch die gesamte Thematik des Cyberterrorismus ungewollt dem Lächerlichen preisgegeben wird. Einziger Lichtblick in einer Fülle von unterirdischen Dialogen sind die Oneliner von Bond, die an die 70er und 80er Jahre mit Roger Moore erinnern.

Gegen Ende führt Regisseur Mendes schließlich den Unterplot um die Ersatzfamilie Geheimdienst mit seiner Mutter M zu einem Finale, indem er Bond auf den Landsitz seiner früh verstorbenen Eltern in Schottland zurückkehren lässt, dem titelgebenden Skyfall. Als kleine Hommage an das fünfzigjährige Jubiläum des ersten Bond-Films fährt Daniel Craig einen alten Aston Martin, stilecht mit Schleudersitz und MG hinter den Scheinwerfern. Doch die Zeit der Gadgets für den besten Agenten ihrer Majestät sind vorbei. Im Pseudo-Realismus der letzten Bondfilme ist 007 mehr Mensch als jemals zuvor: Er ist nicht immer Herr der Lage, trinkt gerne einen über den Durst und ist nach seiner Auszeit körperlich nicht mehr der Vorzeige-Spion, als der er fünfzig Jahre lang präsentiert wurde. Sogar Muttergefühle zur kalten M darf er zeigen.

Doch wie schon die einzelnen Teile des Films nicht recht zusammenpassen wollen, ließ mich auch das Ende zweifelnd zurück. Denn plötzlich greift Daniel Craigs Version von James Bond auf verloren geglaubte Elemente der Filmserie zurück: Es gibt fortan wieder einen männlichen M in einem klassisch holzgetäfelten Büro inklusive Vorzimmer mit einer Miss Moneypenny. Kehren jetzt die alten Zeiten zurück?

Fazit: Glücklich bin ich auf keinen Fall mit Skyfall. Zu widersprüchlich erscheinen mir die einzelnen Abschnitte des Films, zu sehr habe ich mich über die Schwächen des Drehbuchs während der Szenen in London aufgeregt. Am Besten gefällt mir der Film noch als Retrospektive über fünfzig Jahre Bond: Am Anfang gibt es klassische Exotik in Stile Sean Connerys, gefolgt von augenzwinkernd-übertriebener Action mitten in London, die an Roger Moore erinnert. Zum Schluss wird der Bogen zurück zum realistisch getriebenen Reboot mit Daniel Craig geschlagen. Ich hoffe, das der nächste Teil wieder eigene Akzente setzen kann – sonst wird es keine weiteren fünfzig Jahre James-Bond-Filme geben!

Einen Kommentar schreiben

(optional)